Wirtschaft : Die Börsianer verlieren die Hoffnung

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Berlin (beh). An den deutschen Börsen machte sich am Freitag Ausverkaufsstimmung breit. Die anhaltende Vertrauenskrise sowie schlechte Nachrichten des US-Chipherstellers Intel setzten die Aktien unter Druck. Der Dax stürzte im Tagesverlauf um 3,1 Prozent ab. Am Abend erholte sich der Leitindex wieder und schloss mit einem Minus von 1,02 Prozent bei 4610,18 Punkten. Der Nemax 50 verlor 2,03 Prozent und sank auf 739,07 Punkte.

Vor allem aus den Technologiewerten flüchteten die Anleger. So fiel die Aktie von Infineon um 4,9 Prozent, Epcos gaben gar 5,1 Prozent nach, und die Deutsche Telekom fiel auf ihr Allzeit-Tief. Nach Abschlägen von 1,8 Prozent konnte die T-Aktie die Zehn-Euro-Marke am Abend mit 10,44 Euro noch mal verteidigen. Die Börsianer sehen die T-Aktie derzeit in erster Linie als Opfer von Spekulanten. Der Markt wolle die Aktie „unter zehn Euro“ sehen, sagte ein Händler. Fundamental sei der gewaltige Absturz trotz aller Probleme wie der hohen Verschuldung nicht mehr zu rechtfertigen, sagen Analysten bereits seit Tagen. Es seien eher technische Vorgänge. Offenbar sind bei der T-Aktie vor allem Hedge Fonds (siehe Lexikon auf Seite 16) am Werk, die das Papier mit Leerverkäufen nach unten treiben. Bei diesen Geschäften setzt ein Investor auf fallende Kurse und verkauft zu einem vorab festgelegten Zeitpunkt und Kurs Aktien, die er noch gar nicht hat. Er leiht sich die Papiere, kauft sie sich bei sinkenden Kursen am Markt ein und gibt die Aktien wieder zurück.

Was den Leerverkäufern zugute kommt, ist die Liquidität der T-Aktie. Es ist kein Problem, sich mit hohen Volumina am Markt einzudecken. Allerdings trugen auch Aussagen von Vorstand Karl-Gerhard Eick zum Kurssturz bei. Er sagte der „Financial Times Deutschland“, dass es beim Schuldenabbau „keinen signifikanten Fortschritt“ gebe. Zudem wird die T-Aktie aus dem Dow Jones Global Titans 50, einem wichtigen weltweiten Index, gestrichen. Selbst Eick schätzt die Aussichten auf eine Kursbelebung mittlerweile schlecht ein.

Auf die gesamten Märkte wirkte sich jedoch in erster Linie die schwache Umsatzprognose von Intel aus – laut einem Händler „die einzige amerikanische Geschichte, die wirklich interessiert“. Der Chip-Hersteller, weltweit die Nummer eins der Branche, senkte seine Umsatzprognose für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres wegen „der schlechteren Nachfrage in Europa“ auf 6,2 Milliarden Dollar bis 6,5 Milliarden Dollar. Intel hatte zuvor mit einem Umsatz bis 6,7 Milliarden Dollar gerechnet. Noch negativer war nach Ansicht von Branchenkennern der erwartete kräftige Rückgang der Bruttogewinnmarge auf 49 Prozent. Bislang lag die Prognose bei 53 Prozent. An der US-Computerbörse Nasdaq brachen Intel-Aktien um 17,3 Prozent ein. An den Märkten mehren sich nun die Zweifel am Konjunkturaufschwung und den künftigen Unternehmensgewinnen. Von der Intel-Meldung wurden insbesondere die Aktien von Infineon belastet. Keine großen Auwirkungen hatte die Ankündigung des Münchener Chip-Produzenten, vom schwedischen Ericsson-Konzern die Halbleiter-Sparte kaufen zu wollen.

Die Börsen-Aussicht bleibt trübe. So stellt die DZ Bank resigniert fest, dass mit einer nachhaltigen Kurswende nicht zu rechnen ist, obwohl es fundamental angebracht sei. Positive Konjunkturdaten reichten als Impulsgeber nicht aus. Die Bankgesellschaft hat „psychologische Aktienmärkte“ ausgemacht, „die von Gerüchten, negativen Überzeichnungen und vielen, meist unberechtigten Ängsten nach unten getrieben werden“. Die Charttechnik forciert die Entwicklung: Die Indizes befinden sich im Abwärtstrend.

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