Wirtschaft : Die Bono-Denke

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Zurück von seiner Afrika-Tour mit US-Finanzminister Paul O’Neill steht der irische Rockstar Bono kurz davor, in Washington mit einer eigenen Ideenfabrik anzutreten. Data heißt das Bono-Projekt; nach den Kernpunkten Debt, Aids und Trade for Africa (Schulden, Aids und Handel mit Afrika) getauft. Es soll Bonos Versuche, Einfluss auf die US-Politik zu nehmen, in Washingtons innerstem Machtkreis unterstützen. Sprecher Bobby Schriver zufolge wurden schon mehr als drei Millionen Dollar gespendet.

All das klingt so cool, dass wir uns schon fragen, ob nicht bald andere, rivalisierende Ideenfabrikanten sonnenbebrillt auftreten, um im Weißen Haus und auf dem Kapitolshügel mehr aufzufallen. Und wie das bei den Prominenten mit einer Mission so ist, könnte es auch viel schlimmer als mit Bono kommen. Der immerhin macht seine Hausaufgaben und ist eine der wenigen politikbeflissenen Berühmtheiten, die ihre Fürsorge mit Konzepten wie Demokratie, Verantwortlichkeit und Handel – die auch Teil des Data-Mantras für Afrika sind – verbinden.

Trotz all dem sind wir ein wenig misstrauisch, wo das hinführen soll. Bono hat sich massiv dafür eingesetzt, dass Amerika seine Brieftasche weiter öffnet, um noch mehr Milliarden für seine Lieblingsprojekte auszugeben. Und das angesichts einer erdrückenden Beweislast für die meist katastrophalen Auswirkungen von Hilfspolitik für die Länder, für die sie bestimmt ist – durch Schwächung sowieso schon desolater Märkte, der Unterstützung korrupter Diktatoren und maroder Bürokratien sowie der Verschwendung von Steuergeldern. Bonos Kumpel Jamie Drummond, der in Washington gerade Büroräume und Personal für Data sucht, erzählt, dass man sich an einen Stab von Entwicklungsspezialisten wenden wolle. Er nennt einige – die Vereinten Nationen und Oxfam – mit einer Vorgeschichte, die uns eine neuerliche Abzocke beim US-Steuerzahler befürchten lassen. Bono sollte sich Meinungen wie die des früheren schwedischen Premierminister Carl Bildt anhören, der Afrikahilfe durch Marktöffnung leisten will. Ob die Data-Ideenfabrik das Zuhören wert ist, werden wir wissen, wenn Bono ein Lied von der Notwendigkeit des Freihandels anstimmt. Das ist der wahre Nummer-Eins-Hit wirksamer Entwicklungshilfe.

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