Wirtschaft : Die Brennstoffzelle erhält neue Schubkraft

Brüssel fördert das schadstofffreie Auto mit 90 Milionen Euro - Auch Energiekonzerne werden aktiv

Mit 90 Millionen Euro fördert die EU-Kommission die Entwicklung eines Autos mit Brennstoffzelle, das ohne Benzin auskommt. Das teilte Forschungskommissar Philippe Busquin am Montag in Brüssel mit. "Ich bin zuversichtlich, dass wir echte Fortschritte auf dem Weg zu einem Verkehrsmittel machen, das den Komfort eines normalen Autos oder Busses mit einem Schadstoffausstoß gleich Null verbindet", erklärte der Kommissar. Das Ziel - keinen Lärm, keine Umweltverschmutzung, hohe Leistungsfähigkeit - soll mit der Verbrennung von Wasserstoff erreicht werden. Der Beginn einer rentablen Produktion ist für 2003/2004 vorgesehen. Brennstoffzellenautos werden von mehreren Autoherstellern entwickelt. Prototypen gibt es zum Beispiel von DaimlerChrysler.

Derzeit sind diese Autos viel teurer als herkömmliche Fahrzeuge und haben eine Reichweite von nur 450 Kilometer für Personenkraftwagen und etwa 200 Kilometer für Busse. Außerdem ist Wasserstoff brennbar und kann bei Kontakt mit der Luft explodieren. Wasserstoff kann aus vielen Quellen, etwa Erdgas, Öl, Methanol, Bio- Ethanol, Sonnen- und Windenergie und Kohle hergestellt werden.

Nach Prognosen der EU über die weltweite Energienachfrage könnten sich durch ein weltweites Wirtschaftswachstum von über drei Prozent die Energienachfrage zwischen 2000 und 2030 sowie die energiebezogenen Kohlendioxid-Emissionen von 6,3 auf 13 Milliarden Tonnen Kohlenstoff verdoppeln.

Aber auch bei der Energie- und Wärmeerzeugung wird über den Einsatz von Brennstoffzellen nachgedacht. Der RWE-Konzern etwa will bei der Entwicklung der Brennstoffzellen-Technologie nach eigenen Angaben eine Vorreiterrolle übernehmen. Für einen Einsatz der Technologie zur Energieerzeugung sehe man allerdings vor allem "mittel- und langfristige" Perspektiven, sagte Unternehmenssprecher Volker Heck am Montag in Essen. "Auf absehbare Zeit wird die Brennstoffzellen-Technologie die Energieerzeugung aus Kohle und Kernenergie nicht ersetzen können." Berichte, wonach Strom aus Brennstoffzellen mittelfristig bis zu 14 Prozent des RWE-Stromabsatzes ersetzen könne, bezeichnete Heck als sehr weit hergeholt".

In einem internationalen Konsortium gemeinsam mit Siemens Westinghouse hatte RWE 1999 den Bau einer Brennstoffzellen-Demonstrationsanlagen in Essen beschlossen. Die Anlage mit einer Leistung von 320 Kilowatt gilt als Pilotprojekt. RWE Energie-Vorstandschef Manfred Remmel hatte das Projekt als "entscheidenden Schritt" zum Einstieg in die Brennstoffzellen-Technologie bezeichnet. "RWE Energie sieht in der dezentralen und umweltfreundlichen Brennstoffzellenentwicklung einen wichtigen Baustein im Rahmen langfristiger Überlegungen zur alternativen Energieerzeugung", sagte Remmel.

Die Veba-Tochter PreussenElektra kündigte am Montag in Hannover ebenfalls die Installation einer Brennstoffzellen-Demonstrationsanlage an. Die Anlage mit einer Leistung von drei Kilowatt Strom und acht Kilowatt Wärme werde im Heizungskeller eines Verwaltungsgebäudes voraussichtlich Anfang Juli in den Testbetrieb gehen. Die Anlage könne ein kleines Mehrfamilienhaus versorgen, hieß es. "Auch in Zukunft werden Brennstoffzellen die Stromerzeugung in zentralen Großkraftwerken nicht ersetzen können", erklärte der Energiekonzern. Welchen Marktanteil die Brennstoffzellen-Technik erreichen werde, hänge davon ab, wie schnell die technischen Probleme gelöst und ein wettbewerbsfähiger Betrieb möglich würden.

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