Wirtschaft : Die Bundesbank hat noch viele Pfeile im Köcher

ROLF OBERTREIS[FRANKFURT (MAIN)]

Um den US-Dollar in seine Grenzen zu verweisen, haben die Währungshüter viele Möglichkeiten / Aber auch die Politik muß handelnVON ROLF OBERTREIS, FRANKFURT (MAIN)

Der Dollar ist stark.Das ist gut für die deutsche Exportwirtschaft und damit auch gut für die deutsche Wirtschaft.Schließlich spielt die Ausfuhr hierzulande eine ganz entscheidende Rolle.Letztlich könnte der Dollar damit auch die lange erhoffte Bewegung auf dem Arbeitsmarkt bringen.Andererseits könnte eine zu starke US-Währung hierzulande die Inflation ankurbeln, weil wichtige Importe - nicht nur das Öl - teurer werden.Das aber steht im Gegensatz zu den stabilitätspolitischen Zielen der Bundesbank.Eine zu schwache D-Mark kann ihr daher nicht ins Konzept passen.Weil das so ist, erwarten viele Experten noch im August eine Verschärfung der deutschen Geldpolitik und damit eine Erhöhung der Leitzinsen.Zudem hat Bundesbank-Präsident Hans Tietmeyer schon vor einigen Tagen betont, bei einem Kurs von 1,75 DM betrachte er die Erholung des Dollar als abgeschlossen. Wenn jetzt über eine Zinserhöhung und damit über eine Verteuerung des Geldes für Wirtschaft und Verbraucher spekuliert wird, dann geht es um den Reposatz oder den sogenannten "dritten Leitzins".Er sagt aus, wie teuer die Wertpapierpensionsgeschäfte der Bundesbank für die Geschäftsbanken sind.Sie sind mittlerweile die wichtigste Quelle, aus der sich die Kreditwirtschaft mit Geld der Zentralbank versorgt.Geld, das letztlich an Unternehmen und Verbraucher und damit an die Volkswirtschaft weitergegeben wird.Bei den Repo-Geschäften gibt die Bundesbank den Geschäftsbanken Geld und nimmt im Gegenzug von den Instituten Wertpapiere für vier, mitunter aber auch nur für zwei Wochen quasi "in Pension".Jede Woche werden solche Geschäfte abgeschlossen, jeden Dienstag werden die Reposätze neu festgelegt.Für Repogeschäfte gilt entweder eine feste Zinsvorgabe (Mengentender) oder ein Mindestzins (Zinstender).Seit Juni 1979 bietet die Bundesbank solche Repo-Geschäfte an.Sie ermöglichen es, die Geldpolitik bedeutend flexibler zu fahren als über die klassischen Leitzinsen Diskont und Lombard.Mittlerweile ist der Reposatz der wichtigste der drei Leitzinssätze. Seit einem Jahr liegt der Reposatz für einen Mengentender bei 3,0 Prozent.Als erstes Anzeichen für eine mögliche Zinswende bewerteten Beobachter die Tatsache, daß die Bundesbank das nächste Wertpapierpensionsgeschäft vor ihrer Sommerpause Ende Juli nur für zwei Wochen abschloß.Üblich war bisher in dieser Zeit eine vierwöchige Laufzeit der Repogeschäfte.Je höher der Dollar steigt, desto mehr Experten erwarten jetzt aber auch eine Anhebung des Reposatzes um einen viertel oder sogar einen halben Prozentpunkt, um die D-Mark zu stützen.Allerdings steht einer Zinserhöhung die weiter gestiegene Arbeitslosigkeit entgegen. Daneben könnte die Bundesbank auch die klassischen Leitzinsen Diskont und Lombard anheben.Sie stehen seit April 1996 auf dem Rekordtief von 4,5 und 2,5 Prozent.Über eine Änderung dieser Sätze kann aber nur der Zentralbankrat - das Bundesbank-Präsidium und die Präsidenten der neun Landeszentralbanken - bestimmen, der am 21.August wieder tagt.Der Reposatz dagegen kann von der Bundesbankspitze allein geändert werden.Den Diskontsatz müssen die Banken an die Notenbank zahlen, wenn sie von Geschäftskunden hereingenommene Handelswechsel an die Bundesbank weiterverkaufen.Damit beschaffen sie sich über die Bundesbank flüssige Mittel.Der Lombardsatz ist der Zins, den die Banken für Kredite zahlen, die sie bei der Bundesbank gegen die Verpfändung von börsennotierten Wertpapieren kurzfristig aufnehmen können.Er liegt in der Regel ein bis zwei Prozentpunkte über dem Diskont und gilt als Nothilfe, wenn die Banken kurzfristige Liquiditätsengpässe überbrücken wollen. Mit Blick auf den Dollar könnte die Bundesbank derzeit noch ein drittes Mittel einsetzen - allerdings würde sie dies nur in Abstimmung mit den anderen wichtigen Notenbanken tun.Sie könnte an den Devisenmärkten intervenieren: Aus ihren reichhaltigen Reserven von über 70 Mrd.DM könnte sie Dollar verkaufen, um den Kursanstieg der US-Währung zu bremsen.Dies könnte angesichts der Billionenbeträge, die tagtäglich auf den Devisenmärkten gehandelt werden, allerdings nur ein Signal sein.Weil die Schwäche oder Stärke einer Währung immer Ausdruck der dahinterstehenden Volkswirtschaft ist, kann letztlich aber nur die Politik wirksam gegensteuern.Indem sie zum Beispiel in Deutschland verläßliche Rahmenbedingungen für die Wirtschaft schafft und die Steuern und Abgaben tatsächlich senkt.

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