Wirtschaft : Die Bundesrichter wollen es genauer wissen

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22. Oktober 1999 : Einen Tag, nachdem ihn Mannesmann mit der Übernahme von Orange auf dem britischen Heimatmarkt verärgert hat, kündigt Vodafone-Chef Chris Gent die feindliche Übernahme von Mannesmann an. Das erste Angebot von Gent hat einen Wert von rund 100 Milliarden Euro.

10. Dezember 1999 : Mannesmann- Chef Klaus Esser lässt seinen Arbeitsvertrag verbessern. Er besteht intern darauf, sowohl sein Gehalt als auch alle Zusatzleistungen über die Laufzeit von fünf Jahren ausbezahlt zu bekommen, sollte der Abwehrkampf missglücken. Er darf mit 14 Millionen Euro rechnen, später kommen noch zwei Millionen hinzu.

3. Februar 2000 : Gent schafft den Durchbruch: Esser will kapitulieren. Später berichten Beteiligte, dass Cannig Fok als Vertreter des Mannesmann-Großaktionärs Hutchison Whampoa vorher angekündigt hatte: „We do it the chinese way.“ Das Zitat, das sinngemäß bedeutet, „Wir helfen mit Geld nach“, wird später nicht bestritten, wohl aber, mit Geld nachgeholfen zu haben. Esser wusste seither, für die Kapitulation zehn Millionen britische Pfund als Extra-Bonus erhalten zu können. Begründet wird dies mit seinen Leistungen im Abwehrkampf.

4. Februar 2000 : Der Aufsichtsrat von Mannesmann stimmt der Übernahme zu und beschließt auch die Bonus-Zahlungen. Wirtschaftsprüfer äußern Zweifel an der Rechtmäßigkeit.

23. Februar 2000 : Die Stuttgarter Anwälte Binz und Partner stellen Strafanzeige wegen des Verdachts auf Bestechung. Die Staatsanwaltschaft lehnt die Eröffnung eines Verfahrens zunächst ab.

12. März 2001 : Der Generalstaatsanwalt weist die Düsseldorfer Behörde an, die Ermittlungen wieder aufzunehmen. In Mannesmann-Computern tauchen Belege dafür auf, dass Beschlüsse umformuliert und geändert wurden. Am Ende steht die Anklage – nicht wegen Bestechung, sondern wegen Untreue.

21. Januar 2004 : Vor dem Düsseldorfer Landgericht beginnt die 36-tägige Verhandlung gegen sechs Angeklagte. Neben Klaus Esser müssen sich Josef Ackermann (Deutsche Bank), Klaus Zwickel (IG Metall), Joachim Funk (Mannesmann-Aufsichtsratschef), Jürgen Ladberg (IG Metall) und Dieter Droste (Vorstandsbüro Esser) verantworten.

22. Juli 2004 : Das Gericht spricht die Angeklagten frei, unter anderem wegen des „unvermeidbaren Verbotsirrtums“. Damit wird ihnen zugebilligt, dass sie nicht wussten, was sie taten.

20./21. Oktober 2005 : Der Bundesgerichtshof (BGH) lässt erkennen, dass er die Boni für ungerechtfertigt hält. Ackermann, Funk und Zwickel hätten sich bei der Vergabe der Millionen wie Gutsbesitzer verhalten, sie seien aber nur Gutsverwalter und damit nicht berechtigt gewesen, die Gelder zum Nachteil der Mannesmann-Aktionäre zu verteilen.

21. Dezember 2005 : Der BGH hebt den Freispruch auf und verlangt eine neue Verhandlung vor einer anderen Kammer des Düsseldorfer Landgerichts. Die Richter heben hervor, dass das Geld nicht Geschäftszwecken diente, also ein unzulässiges Geschenk war. Vor der zehnten Düsseldorfer Wirtschaftsstrafkammer wird vom kommenden Donnerstag an neu verhandelt.Jürgen Zurheide

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