Wirtschaft : Die Chemie hat das Schlimmste überstanden In diesem Jahr aber vermutlich stagnierende Umsätze

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Frankfurt (Main) (ro). Die Chemische Industrie in Deutschland hat im ersten Halbjahr ihre Talsohle durchschritten. Ob dies allerdings schon eine Trendwende markiert ist nach Ansicht von Wilhelm Simson, Präsident des Branchenverbandes VCI, noch offen. Das Geschäft mit Chemieprodukten laufe noch längst nicht gut. „Die Unternehmen leben derzeit überwiegend nach dem Prinzip Hoffnung“, sagte Simpson am Mittwoch in Frankfurt. Für das gesamte Jahr rechnet er mit einem Produktionszuwachs von zwei Prozent, der Umsatz werde allerdings stagnieren. In den ersten sechs Monaten kletterte die Produktion der deutschen Chemieunternehmen zwar um ein Prozent, der Umsatz allerdings schrumpfte um 4,5 Prozent auf rund 66,5 Milliarden Euro. Dabei war der Rückgang im Inland mit minus 6,5 Prozent auf 31,7 Milliarden Euro stärker als im Ausland mit minus drei Prozent auf 34,8 Milliarden Euro.

Den Grund für die wieder höhere Produktion sieht Simpson in der Auffüllung leergeräumter Läger. Ob es weiter bergauf geht, hänge jetzt auch vom privaten Konsum ab. Die Aufwertung des Euro betrachtet die Branche mit gewisser Skepsis. „Sie kommt auf jeden Fall zu einem ungünstigen Zeitpunkt, weil wir noch nicht aus dem Tal heraus sind“, sagt Simpson. Der stärkere Euro verteuert die Chemieprodukte im (Dollar-) Ausland, verbilligt allerdings auch die Rohstoffe.

Probleme sieht der VCI aber erst dann, wenn der Euro die Parität zum Dollar überschreiten sollte. Insgesamt werde es in diesem Jahr aber keinen Schub geben. „Selbst unter günstigsten Bedingungen kommt der Aufschwung wohl zu spät und mit zu schwacher Dynamik, um noch in diesem Jahr hohe Wachstumsraten zu ermöglichen“, betont der VCI-Präsident. Damit werden auch in der Chemie-Industrie weitere Arbeitsplätze wegfallen. Im ersten Halbjahr beschäftigte die Branche im Schnitt 460200 Mitarbeiter, rund 6900 weniger als vor Jahresfrist. Zwar spielen dabei auch Ausgliederungen von Servicebereichen eine Rolle. Hauptverantwortlich für den Stellenabbau ist nach Angaben von Simpson allerdings die schwache Konjunktur.

Ein wesentlicher Hoffnungsträger der Branche sind die Petrochemikalien, die 2001 besonders unter dem Konjunktureinbruch gelitten hatten. Mit gut einem Drittel Anteil sind sie die dominierende Sparte in der chemischen Industrie. Ihre Produktion lag zuletzt zwei Prozent über dem Vorjahreswert. Die Herstellung von Arzneimitteln bewies weiterhin ihre Unabhängigkeit von Konjunktureinflüssen, die Produktion stieg um zwei Prozent. Dagegen hat sich die Spezialchemie noch nicht vollständig von dem Einbruch des vergangenen Jahres erholt. Die Produktion stieg in den zurückliegenden Monaten zwar wieder an, war aber im ersten Halbjahr noch 1,5 Prozent niedriger als im Vorjahr.

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