Wirtschaft : Die Chinesen stehen auf Luxusautos

Premiumsegment wächst rasant/Deutsche Hersteller erhöhen Kapazitäten

Harald Maas

Peking - Als der Bauunternehmer James Wang kürzlich auf der Automesse in Peking sein neues Fahrzeug entgegennahm, war das dem Hersteller Daimler-Chrysler eine kleine Zeremonie wert. Für umgerechnet 750000 Euro kaufte der 27-Jährige den ersten Maybach 62 in China. Ein zweiter Käufer des ultra-luxuriösen Autos zog es vor, lieber anonym zu bleiben. „Persönlich mag ich dieses Auto mehr als einen Bentley oder einen Rolls-Royce“, erklärte Wang später fachmännisch den Journalisten. Kunden wie James Wang, der nach eigenen Angaben mehr als ein Dutzend Limousinen in seinem Fuhrpark hat, sind derzeit die Lieblinge der internationalen Autoindustrie. China ist der am schnellsten wachsende Automarkt der Welt, und am schnellsten steigt die Nachfrage im so genannten Premium-Segment. BMW setzte in den ersten fünf Monate des Jahres 40 Prozent mehr Limousinen in China ab als im Vorjahr. Verkaufsschlager ist der 7er, der mit Steuern und Gebühren in der Volksrepublik bis zu 200000 Euro kosten kann. Auch die Konkurrenten Mercedes und Audi legen mit zweistelligen Zuwachsraten zu.

„Der Premiummarkt entwickelt sich deutlich schneller als der Volumenmarkt“, sagt Erich Schmitt, als Vorstandsmitglied bei Audi für China zuständig. Während in ausgewachsenen Märkten das Luxussegment ein Anteil von 15 bis 20 Prozent am Gesamtverkauf habe, läge in China der Anteil bisher nur bei fünf Prozent. „Es gibt ein erhebliches Wachstumspotential für alle, die in diesen Markt eintreten wollen“, so Schmitt.

Platzhirsch auf dem chinesischen Markt ist bisher Audi. Die Ingolstädter, seit 1996 mit einer eigenen Produktion im nördlichen Changchun vertreten, profitierten von dem früheren Engagement des Mutterkonzerns VW in der Volksrepublik. Dieses Jahr rechnet man mit einem Absatz von 70000 lokal gefertigten A6 und A4-Modellen, mehr geben die Fließbänder nicht her. „Wir produzieren an über 300 Tagen im Jahr, 24 Stunden am Tag“, erklärt Schmitt. Um mit der Nachfrage Schritt zu halten, soll die Produktionskapazitäten mittelfristig auf 120000 Fahrzeuge erhöht werden. Audi werde dazu auch Kapazitäten des derzeit im Bau befindlichen neuen VW-Werks in Changchun übernehmen.

Doch die Mitbewerber holen auf. Nach fast einem Jahrzehnt Vorbereitungen und Antragsverfahren startete BMW 2003 mit der Herstellung der 3er und 5er Serie in der nördlichen Industriestadt Shenyang. Die Kapazität der Fabrik ist auf 30000 Fahrzeuge ausgelegt. Mit einem Verkaufspreis von mehr als 60000 Euro sind die in Shenyang produzierten 5er teurer als in Deutschland. Schlusslicht auf dem Premium-Markt ist Daimler-Chrysler, die in China bisher nur Busse und Jeeps produzieren. Pläne für eine lokale Mercedes-Produktion wurden mehrmals verschoben. Ab Mitte 2005 wollen die Stuttgarter nun in einem Gemeinschaftsunternehmen in Peking die C- und E-Klasse zusammenbauen. Der Mercedes-Absatz, der dieses Jahr bei rund 14000 Fahrzeugen liegt, soll sich dadurch in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf 50000 Stück verdreifachen. Wie alle anderen Hersteller muss auch Daimler-Chrysler mit einem lokalen chinesischen Partner, der Beijing Automotive Industry Holding (BAIC), produzieren.

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