Wirtschaft : Die D-Mark soll Vorbild für den Euro werden

BONN (AFP/AP).Der Euro soll sich auf dem Weg zu einer stabilen Gemeinschaftswährung eng am Vorbild der D-Mark orientieren.Die "50jährige Erfolgsgeschichte der D-Mark" sei auch "Ansporn und Verpflichtung für die Europäische Zentralbank, die in besonderer Weise in der Stabilitätskontinuität der Deutschen Bundesbank steht", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, am Freitag in Bonn.

Die Mark war am 20.Juli 1948 von den Alliierten in den damaligen Westsektoren - Berlin folgte erst später - eingeführt worden.Die Bundesregierung hatte zu der Feierstunde im Haus der Geschichte in Bonn anläßlich des 50.Jahrestages der D-Mark-Einführung auch Bürger aus allen Bundesländern eingeladen, die am gleichen Tag 50 Jahre alt werden, sowie ein Ehepaar, das seine goldene Hochzeit feiert.Der offizielle Festakt der Bundesbank findet am Sonnabend in Frankfurt (Main) statt.

Duisenberg äußerte Verständnis dafür, daß vielen Deutschen der Abschied von der Mark schwer falle.Es sei "jedoch keinesfalls gerechtfertigt zu behaupten, die Europäische Währungsunion brächte auch den Abschied von einer stabilen und international anerkannten Währung", sagte Duisenberg.Er verwies darauf, daß die Notenbanken der Euro-Staaten in den vergangenen Jahren unter Beweis gestellt hätten, daß sie der Bundesbank im Kampf gegen Inflation und Destabilität nicht nachstünden.Es werde vielfach auch übersehen, daß ein Festhalten an der D-Mark in einem veränderten Umfeld mit Risiken verbunden gewesen wäre.Ähnlich äußerte sich Bundesfinanzminister Theo Waigel: "Deutschland verliert nicht die D-Mark, sondern wir gewinnen die stabile Währung eines großen Binnenmarktes."

Waigel betonte, im Unterschied zur Geburtsstunde der D-Mark sei die Umstellung auf den Euro "ein rein technischer Vorgang" ohne Geldentwertung.Deshalb werde es auch keine Gewinner und Verlierer geben.Rückblickend lobte er die Entschlossenheit der US-Besatzungsverwaltung, die 1948 die Einführung einer neuen deutschen Währung durchgesetzt hatte.Die ersten D-Mark-Banknoten waren "made in USA", sagte Waigel.Die D-Mark habe in der Folge "einen nahezu unvergleichlichen Siegeszug" angetreten.Waigel zeigte sich überzeugt, daß der Euro ebenfalls eine "Erfolgsgeschichte" aufweisen wird.

Bundesbank-Präsident Hans Tietmeyer mahnte die EU-Staaten unterdessen zur Umsetzung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes.Der Euro werde nur dann so stark wie die D-Mark, wenn die EU-Mitgliedsstaaten zu Reformen bereit seien und die EZB sich dauerhaft einer stabilitätsorientierten Politik verpflichte.Tietmeyer erinnerte an die Voraussetzungen für eine stabile Währung, wie sie Ludwig Erhard am 19.Juni 1948 bei der Ankündigung der Währungsreform umrissen hatte.Nicht Glück und Zufall seien ausschlaggebend, "sondern einzig und allein der feste Wille, nach den Grundsätzen einer geordneten Währung zu handeln", hatte Erhard damals in einer Rundfunkansprache gefordert.Einen Tag später, am 20.Juni, wurden die neuen Geldscheine ausgegeben: Es gab 40 Mark "Kopfgeld" pro Person.

Zwischen Tietmeyer und Waigel wurden am Freitag aber Differenzen in der Betrachtung der D-Mark-Geschichte deutlich.Waigel betonte, das Prinzip der Unabhängigkeit der Notenbank sei bereits bei der Gründung der einheitlichen Notenbank 1948 unstrittig gewesen und im Bundesbankgesetz 1957 festgelegt worden.Tietmeyer erinnerte dagegen daran, daß "die Unabhängigkeit der Frankfurter Zentralbank in Bonn damals nicht unumstritten" gewesen sei.Er verwies auf Vorschläge des damaligen Finanzministeriums, die Bundesbank einem Bundesausschuß zu unterstellen.

EZB-Präsident Duisenberg versicherte, die Erfolgsgeschichte der D-Mark werde "mit dem Euro eine einzigartige Bestätigung und Fortsetzung" erfahren.Er wies darauf hin, daß die Durchsetzung marktwirtschaftlicher Strukturen durch Ludwig Erhard die wesentliche Grundlage für die Erfolgsgeschichte der D-Mark gebildet habe.Dies sei auch für die Europäische Währungsunion von zentraler Bedeutung.Duisenberg sprach sich konkret für eine Senkung von Steuern und Abgaben, eine Flexibilisierung der Arbeitsmärkte und weitere Lohnzurückhaltung der Arbeitnehmer aus.

Bei der Feierstunde präsentierte Finanzminister Waigel zugleich die voraussichtlich letzte D-Mark-Gedenkmünze sowie eine Sonderbriefmarke, die auf der Vorderseite eine Eine-DM-Münze zeigt.Die Ehrengäste erhielten sie zur Erinnerung an diesen Tag als Geschenk.

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