Wirtschaft : Die D-Mark sollte jetzt teilweise verlassen werden

Als älteste Schweizer Bank verfügt die Zürcher Bank Leu über eine nahezu 250jährige Erfahrung im Bankgeschäft und konzentriert sich heute auf die Vermögensverwaltung und Anlageberatung für vermögende Privatkunden.Bis 1989 war das Traditionshaus eigenständig an der Börse notiert, heute gehört die Bank zur Credit Suisse Group.In Berlin unterhält Leu eine Repräsentanz.Mit dem Chefvolkswirt von Leu, Ernst Zbinden, unterhielt sich Joachim Hofer über die Geldanlage im Zeichen des Euro. TAGESSPIEGEL: Herr Zbinden, haben Sie Vertrauen in den Euro als Währung für Anleger? ZBINDEN: Der Euro wird einen guten Start haben.Der Zeitpunkt ist günstig: Der Dollar ist hoch bewertet, das Wachstum in Europa wird anziehen und damit die Zinsen.Zwischen Mai und Dezember könnte es allerdings noch einige Turbulenzen geben, doch mittelfristig sind die Aussichten gut.Langfristig wird sich eine Kluft zwischen europaweiter Geldpolitik und nationaler Fiskalpolitik auftun.Schon bald braucht man deshalb eine europaweite Regulierung der staatlichen Ausgaben.Der Stabilitätspakt wird vermutlich nicht genügen.Letztlich ist dann eben doch eine politische Einheit nötig. TAGESSPIEGEL: Was empfiehlt ein Schweizer Banker deutschen Anlegern im Hinblick auf den Euro? ZBINDEN: Wir haben schon die letzten zwei Jahre dazu geraten, die D-Mark teilweise zu verlassen.Diejenigen, die noch nicht diversifiziert haben, sollten das jetzt tun.Ich empfehle im festverzinslichen Bereich den US-Dollar, das Britische Pfund, eventuell auch den Kanadischen Dollar, die Dänische Krone und die Norwegische Krone.Bei den Aktien können die Anleger in Deutschland bleiben.Deutsche Aktien haben gute Chancen und sind durchaus konkurrenzfähig. TAGESSPIEGEL: Welche Aktien sind das konkret? ZBINDEN: Ich möchte keine einzelnen Titel herausgreifen, doch es sollten Global Players sein, exportorientierte Firmen in Wachstumsbranchen.Dazu zählen beispielsweise Chemie/Pharma, Automobil, Maschinen, Telekommunikation und Versicherungen. TAGESSPIEGEL: Ist der Aktienmarkt nicht schon zu hoch bewertet? ZBINDEN: Das Potential ist enorm, aber man darf nicht kurzfristig denken.Durch den Druck der starken D-Mark haben sich deutsche Unternehmen früh umgestellt und können daher im Wettbewerb mithalten. TAGESSPIEGEL: Ist es denn ratsam, sein Geld in der Schweiz anzulegen? ZBINDEN: Durch das niedrige Zinsniveau bei festverzinslichen Wertpapieren ist die Schweiz in diesem Bereich für Anleger nicht sehr attraktiv.Bei den Aktien hingegen ist die Schweiz durchaus reizvoll.Die großen Schweizer Konzerne sind weltweit tätig, da beeinträchtigt auch der starke Schweizer Franken nicht.Die Situation in den Absatzländern ist wesentlich wichtiger als der Kurs des Franken.An Branchen sind besonders Versicherungen, gewisse Banken und selektiv exportorientierte Werte sowie Pharmatitel zu empfehlen. TAGESSPIEGEL: Sind dabei Fonds nicht der direkten Anlage in Aktien vorzuziehen? ZBINDEN: Fonds sind natürlich eine gute Idee, aber auch das Stockpicking ist wichtig.Das hängt freilich immer von der Summe ab, die ein Anleger zur Verfügung hat. TAGESSPIEGEL: Bei der Bank Leu müssen es mindestens eine halbe Mill.Schweizer Franken bzw.600 000 DM sein. ZBINDEN: Wir sind spezialisiert auf die Vermögensverwaltung und machen nichts anderes.Dabei ist eine gewisse Grundsumme nötig.Wir sind keine Produktverkäufer, sondern Problemlöser, und das sehr individuell.

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