Wirtschaft : Die D-Mark steuert ihren fünfzigsten Geburtstag an

Doch ihr Ende ist schon besiegelt / Wenn der Euro kommt, verliert das deutsche Geld seine Unabhängigkeit

FRANKFURT (MAIN) (dpa).Sie ist fit und begehrt ­ und hat dennoch die letzten 365 Tage vor sich.Im Juni 1998 feiert die D-Mark ihren 50.Geburtstag.Für das Symbol der deutschen Wirtschaftsmacht läuft aber mit dem Fahrplan zur Europäischen Währungsunion (EWU) die Zeit unerbittlich ab.Geboren als Kind der kümmerlichen Nachkriegszeit verabschiedet sich die D-Mark als kraftstrotzender Riese von der internationalen Finanzbühne: Sie ist eine der stabilsten Währungen überhaupt, nimmt nach dem US-Dollar in der Rangliste der wichtigsten Reservewährungen den zweiten Platz ein. Am Ende des Jubiläumsjahres wird es zwar noch deutsche Banknoten geben, und Renten und Gehälter werden noch einige Jahre in D-Mark überwiesen.Mit dem EWU-Start am Neujahrstag 1999 wird das deutsche Geld aber nur noch für eine Übergangszeit die heimische Recheneinheit der neuen Einheitswährung Euro sein.Besiegelt wird das Ende der D-Mark faktisch bereits Anfang Mai, wenn die EU-Staats- und Regierungschefs die Euro-Teilnehmer küren und dabei auch deren Umtauschkurse untereinander unverrückbar festlegen. Anders als der von langer Hand geplante Euro kam die wichtigste Bewährungsprobe völlig unerwartet für die D-Mark: Wenige Monate nach dem Fall der Mauer und noch vor der politischen Einheit wurde am 1.Juli 1990 mit dem größten währungspolitischen Schnitt seit 1948 die deutsch-deutsche Währungsunion vollzogen.In einer historisch beispiellosen Aktion ersetzte die D-Mark die DDR-Mark zu einem allgemeinen Umtauschkurs von eins zu zwei.Vor allem das Tempo der Währungsunion sorgte zwischen Bundesbank und Bundesregierung für einen der größten Konflikte.Obwohl die Frankfurter Währungshüter von einer schnellen Einführung der D-Mark im Osten abrieten, drängte Bundeskanzler Helmut Kohl auf eine zügige Wirtschafts- und Währungsunion.Die rasche Ernüchterung nach dem ersten Konsumrausch der Ostdeutschen zeigte, daß das neue Geld allein nicht wie eine Wunderdroge alle Probleme der maroden DDR-Wirtschaft heilen konnte.Im Gegenteil: Mit der Einführung der harten D-Mark fand sich die Wirtschaft der untergehenden DDR über Nacht im rauhen Wettbewerb der Marktwirtschaft wieder. Die Traumkarriere, die die westdeutsche Währung unter anderem für die Ostdeutschen so begehrenswert machte, war der D-Mark nicht in die Wiege gelegt.Nach der Währungsreform, mit der am 21.Juni 1948 die Reichsmark abgelöst wurde, fällt der Aufstieg zu einer starken Währung aus Sicht der Bundesbank erst in die Jahre zwischen 1952 und 1960, die von einer langen Phase des stabilen Geldes geprägt waren.Zuvor hatten die Preise kräftig angezogen, und die D-Mark wurde gegenüber dem US-Dollar stark abgewertet, so daß der Dollarkurs von 3,33 auf 4,20 DM stieg. Als entscheidende Wegmarke zum Auftritt der D-Mark auf der internationalen Bühne gilt der Übergang zur uneingeschränkten Umtauschbarkeit 1958.Deren Kehrseite war eine "importierte Teuerung", die 1961 zur ersten Aufwertung der D-Mark führte.Die Schlüsselrolle für den Erfolg der Währung nimmt die unabhängige Bundesbank ein, deren straffer Stabilitätskurs oft gegen politische Widerstände durchgesetzt wurde. Nach Berechnungen der Commerzbank ist die Kaufkraft der D-Mark unter dem Strich bis heute zwar auf rund 25 Pfennig gesunken.Der Wertverlust von rund drei Vierteln erscheint aber nur auf den ersten Blick hoch.International betrachtet gilt die D-Mark in Sachen Werterhalt neben dem Schweizer Franken als einer der Spitzenreiter.Dies zeigt sich auch beim Außenwert der deutschen Währung.Heute erhalten Bundesbürger im Durchschnitt heute fast zweieinhalbmal soviel ausländische Währungseinheiten für die D-Mark wie 1949.

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