Wirtschaft : Die DaimlerChrysler-Aerospace verhandelt mit der italienischen Alenia

Die Kräfteverhältnisse in der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie verschieben sich. Nachdem die DaimlerChrysler-Tochter Dasa (DaimlerChrysler-Aerospace) unlängst den Zusammenschluss mit der spanischen Casa angekündigt hat, werden nun auch Gespräche über eine engere Zusammenarbeit mit der italienischen Alenia geführt. Alenia, die noch zum staatlichen italienischen Industriekonzern Finmeccanica gehört und privatisiert werden soll, ist bereits in der Eurofighter-Produktion Partner von Dasa.

Ein Dasa-Sprecher erklärte am Montag auf Anfrage, wie andere europäische Unternehmen sei auch Dasa daran interessiert, sich an einer Privatisierung von Alenia zu beteiligen. Er bestätigte bilaterale Gespräche, die sich jedoch in keinem konkreten Stadium befänden. Die Zeitung "Die Welt" hatte DaimlerChrysler-Aufsichtsrat Peter Schönfelder mit den Worten zitiert, die Alenia sei an einer Luft- und Raumfahrtallianz als Dritte im Bunde willkommen. "Unser Ziel muss es sein, uns in Europa noch stärker zu machen, um sich dann, falls ein Schritt über den Atlantik erfolgen sollte, als Partner besser zu positionieren", sagte Schönfelder.

Aus Branchenkreisen verlautete, der italienische Staat beabsichtige, für die einzelnen Sparten der Alenia jeweils den besten Partner zu finden. Als interessantester Bereich für Dasa wurde der Alenia-Militärflugzeugbau mit einem Jahresumsatz von rund einer Mrd. DM genannt. Die Sparte wäre damit etwa halb so groß wie die der Dasa, die in dem Bereich im vergangenen Jahr rund zwei Mrd. DM umsetzte. Weniger Interessse soll die Dasa dem Vernehmen nach für den zivilen und regionalen Flugzeugbau gezeigt haben, bei dem Alenia Zulieferer von Boeing ist. Dort setzt der italienische Konzern rund 1,2 Mrd. DM um.

Seitdem die Amerikaner ihre Kräfte vor drei Jahren entscheidend gebündelt haben, indem sie der Fusion von Boeing mit dem fest im Militärgeschäft Flugzeugbauer McDonnell Douglas grünes Licht erteilten, ist auch in der europäischen Luftfahrtindustrie einiges in Bewegung geraten. Um nicht weiteres Terrain an die Vereinigten Staaten zu verlieren, nahmen sich die im europäischen Airbus-Konsortium verbundenen Firmen Dasa, die französische Aérospatiale, British Aerospace und die spanische Casa vor, gemeinsam einen neuen Firmenverbund zu schmieden, der nicht nur den zivilen, sondern auch den militärischen Flugzeugbau und die Verteidigungstechnik vereinen sollte. Doch die Rechnung ging nicht auf. Anstatt an einem Strang zu ziehen, gab es Streit um Stimmrechtsverhältnisse und Managementpositionen.

Franzosen und Briten formierten sich zunächst einmal national. Während in Frankreich unter Regieanweisung der Regierung die alten Konkurrenten Aérospatiale und Matra zusammenfanden, machte in Großbritannien British Aerospace das Rüstungsunternehmen GEC Marconi zum Verbündeten. Das verprellte die Dasa, die ursprünglich mit British Aerospace gemeinsame Sache machen wollte, um so auch Druck auf die - relativ stark staatlich kontrollierten - Franzosen auszuüben. Mit der neuen Dominanz der Briten kamen die Münchner nicht zurecht. DaimlerChrsyler-Chef Jürgen Schrempp legte das Projekt der "European Aerospace and Defence Company" zu den Akten. Inzwischen spricht Dasa-Vorstandschef Manfred Bischoff auch offen mit dem zweitgrößten US-Hersteller Lockheed Martin. Doch weil hier Sicherheitsbedenken einer möglichen Kooperation entgegenstehen und man sich gegenseitig nicht in die Karten gucken lassen will, konzentriert sich Dasa jetzt wieder stärker auf europäische Optionen. Fest steht, dass die Dasa bis September den spanischen Airbus-Partner Casa unter die Fittiche nimmt und eher früher als später mit der neu aufgestellten französischen Aérospatiale Matra wieder die Federführung in der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie übernehmen möchte. Im Hubschrauber-, Raketen- und Satellitengeschäft jedenfalls hat sich die Zusammenarbeit mit den Franzosen bereits bewährt.

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