Wirtschaft : Die Degussa und ihre teure Tochter

Nochmals 830 Millionen Euro abgeschrieben / Konzern restrukturiert sich und sucht Hilfe bei Beratern

Moritz Döbler

Berlin - Der Chemiekonzern Degussa hat sich mit der Übernahme der britischen Laporte-Gruppe vor vier Jahren verhoben und steht nun vor einer tiefgreifenden Neustrukturierung. Das Düsseldorfer Unternehmen muss 830 Millionen Euro abschreiben und erwartet für das laufende Jahr einen Verlust nach Steuern von 450 Millionen Euro.

Im Vorjahr hatte die zum Chemie- und Bergbaukonzern RAG gehörende Gesellschaft unterm Strich einen Gewinn von 298 Millionen Euro verbucht. Die Jahresprognose eines leichten Anstiegs von Umsatz und operativem Gewinn wurde indes wegen der „insgesamt guten Entwicklung in den anderen Geschäftsbereichen“ bekräftigt.

Der Mutterkonzern RAG schloss aber auf Anfrage des Tagesspiegels nicht aus, dass die Degussa auf eine Dividende verzichten wird. „Hierüber ist heute noch keine Entscheidung zu treffen. Mit diesen Fragen werden wir uns in aller Ruhe nach Ablauf des Geschäftsjahres 2005 beschäftigen“, sagte eine Sprecherin. Eine Degussa-Sprecherin schloss auch Werkschließungen und weiteren weltweiten Stellenabbau nicht aus.

Das Unternehmen arbeitet mit Hochdruck an einem Konzept zur Lösung der Probleme mit Laporte. Bereits 2003 hatten die Düsseldorfer 500 Millionen Euro im Zusammenhang mit der britischen Feinchemiegruppe abgeschrieben. Damit belaufen sich die Abschreibungen jetzt auf mehr als die Hälfte des Kaufpreises von rund zwei Milliarden Euro. „Der Aufsichtsrat hat die Reißleine gezogen und ist sich einig, dass eine Neuausrichtung der Strategie zwingend notwendig ist“, hieß es in Unternehmenskreisen.

Eine Projektgruppe solle gemeinsam mit der Unternehmensberatung Boston Consulting ein Konzept erarbeiten. Zu dem Team gehörten Vorstandschef Utz-Hellmuth Felcht sowie die Aufsichtsräte Peter Schörner und Hans Michael Gaul. Schörner ist Finanzvorstand beim Degussa-Mutterkonzern RAG, Gaul dessen Kollege beim RAG-Mutterkonzern Eon. Bedeutsam ist die Entwicklung bei Degussa auch für die Börsenpläne der RAG, für die der Spezialchemiekonzern das Zugpferd sein soll.

Die im Nebenwerteindex M-Dax gelistete Degussa-Aktie drehte nach der Mitteilung über die millionenschwere Abschreibung ins Minus, nachdem sie zuvor vom Handel ausgesetzt war. Der Wert schloss mit einem Minus von 1,27 Prozent bei 36,67 Euro.

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