Wirtschaft : Die Deutsche Bank verkauft Roland Berger

DÜSSELDORF (brs/wis/HB/tmh).Die Deutsche Bank AG, Frankfurt (Main), verkauft ihre 95prozentige Beteiligung an der Roland Berger & Partner GmbH, München, fast komplett an die Manager der Unternehmensberatung.Die Trennung von der Deutschen Bank im Rahmen des Management-Buy-Outs sei ein Meilenstein und eröffne die Chance auf beschleunigtes Wachtum, sagte Berger-Manager Burkhard Schwenker am Mittwoch zur Bilanzvorlage in München.Den Kaufpreis bezeichnete er als "fair".Eine genaue Summe wollte auch Roland Berger selbst nicht nennen.

Für ihre Anteile erhält die Bank für einen begrenzten, nicht näher benannten Zeitraum ein Gewinnbezugsrecht, das sich an ihrer bisherigen Beteiligung von 95 Prozent orientiert, erklärten die Berater.Die Partner müssen somit auf einen großen Teil der regelmäßigen Ausschüttung auf Jahre hinaus verzichten, aber keinen Kredit aufnehmen.Das Geldinstitut und Roland Berger selbst werden künftig eine Beteiligung von jeweils knapp fünf Prozent halten.Den Gewinn für das vergangene Jahr bezifferte Berger auf rund 53 Mill.DM.

Zu den Gründen für die Trennung von der Deutschen Bank sagte Roland Berger, es hätten sich zwei Interessenlagen getroffen: Die Deutsche Bank wolle sich stärker als bisher auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, und der Beratungsmarkt gehöre nicht dazu.Außerdem können die Münchner jetzt auch mehr Kunden in der Finanzdienstleistung werben, wo bislang wegen der Nähe zur Deutschen Bank Vorbehalte bestanden haben.Der Vorstandsvorsitzwende der Deutschen Bank Rolf E.Breuer sagte, der Rückzug seiner Bank zeige deutlich, "daß es sich bei unserer Beteiligung um eine reine Finanzbeteiligung gehandelt hat und handelt".Das Engagement habe der Deutschen Bank "zehn Jahre lang Freude gemacht, und ich gehe davon aus, daß dies so bleiben wird".

Für die Beratungsgesellschaft selbst habe es durch die Beteiligung der Bank Geschäftsbeschränkungen insbesondere in den USA gegeben.Um dort tätig zu werden, dürfe keine Bank an seinem Unternehmen mehr als fünf Prozent der Anteile halten.Diese Sperre sei jetzt gefallen.Nun solle schon im nächsten Jahr eine Dependance der Gesellschaft in Boston eröffnet werden, sagte Berger, der noch bis zum Jahr 2003 Vorsitzender der Geschäftsführung bleiben wolle.Dann will er als Vorsitzender in einen noch zu schaffenden Beirat wechseln.Der jetzige Management-Buy-Out diene auch als Vorbereitung auf den Ausstieg aus dem operativen Geschäft im Jahr 2003.

Der Schritt in die Vereinigten Staaten ist nach Ansicht von Experten für Roland Berger und andere deutsche Beratungsgesellschaften zwingend erforderlich.Denn der amerikanische Beratungsmarkt, ohnehin bereits der größte weltweit, wird in den kommenden Jahren kräftig wachsen.Marktforscher rechnen mit Steigerungsraten von mehr als 15 Prozent.

Mit 25 Mrd.Dollar Jahresvolumen mache der US-Markt rund die Hälfte des globalen Beratungsmarkts aus, umriß Berger die neuen Wachstumspotentiale.Der Sektor Finanzdienste stehe für etwa ein Drittel des Gesamtmarkts.Der Schritt in die Unabhängigkeit erlaubt eine "Eruption" der Geschäfte, hofft Berger, der selbst mit knapp fünf Prozent am Unternehmen beteiligt bleibt.Gut 90 Prozent entfallen künftig auf rund 120 führende Manager.Da künftig neben Umsätzen auch die Profite wachsen sollen, die Gewinnbeteiligung der Deutschen Bank aber praktisch auf dem jetzigen Niveau eingefroren wird, "bleibt mehr Geld in der Firma", betonte Schwenker.Das ermögliche verstärkte Investitionen in den USA, Japan, China und anderen Ländern Asiens.Wie in Europa soll auch dort eine kritische Größe erreicht werden.

An der Aufbruchstimmung habe das Personal teil.Bis Mitte 1998 wurde die Belegschaft von 937 Mitarbeiter Ende 1996 auf 1253 aufgestockt.Für das laufende Jahr planen die Berater ein 20prozentiges Umsatzplus auf rund 600 Mill.DM, nachdem im Vorjahr die Honorarumsätze um ein Viertel zugelegt hatten.Ebenfalls um ein Fünftel soll der Bilanzgewinn steigen, der 1997 um ein Viertel auf rund 53 Mill.DM wuchs.

Der Verkauf liegt voll im Trend.Die Branche strukturiert kräftig um.Kein Zweifel: Der in anderen Branchen schon länger zu beobachtende Trend zu Wachstum und Größe, zu internationaler Präsenz und einem möglichst lückenlosen Dienstleistungsangebot hat jetzt das Beratergewerbe voll erfaßt.Auch die deutschen Unternehmensberater können sich der zunehmenden Internationalisierung auf Dauer nicht entziehen.Das jedenfalls sagt der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater in Bonn voraus.Dabei bieten sich den im internationalen Vergleich relativ kleinen deutschen Beratungsgesellschaften nur drei Möglichkeiten: Entweder sie schlüpfen unter das Dach einer weltweit tätigen Beratungs-Gruppe oder sie spezialisieren sich auf lukrative Nischen oder sie versuchen aus eigener Kraft zu wachsen.Zunächst hatten KPMG und Ernst & Young intensiv über eine Fusion gesprochen, die inzwischen allerdings kein Thema mehr ist.Dann hatten Coopers & Lybrand und Price Waterhouse Pläne über einen Zusammenschluß veröffentlicht.

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