Wirtschaft : Die Deutsche Börse verschärft die Regeln für den Neuen Markt

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Die Flut der Neuemissionen ebbt zwar nicht ab, aber die goldenen Zeiten am Neuen Markt, dem Wachstumssegment der Frankfurter Börse, sind vorbei. Vom 15. September an verschärft die Deutsche Börse AG die Regeln und droht bei Zuwiderhandlungen mit Vertragsstrafen von bis zu 10 000 Euro. Die neuen Vorschriften zielen vor allem auf Altaktionäre, die auf Kosten neuer Kleinaktionäre Kasse machen und auf fragwürdige Zuteilungsverfahren.

Für Altaktionäre, die ihr Unternehmen an den Neuen Markt bringen, gilt ein Veräußerungsverbot für ihre Aktien für mindestens sechs Monate. Bei mehreren Unternehmen soll diese Frist in den vergangenen Wochen nicht eingehalten worden sein. Künftig muss der Emittent bereits mit dem Zulassungsantrag für den Börsengang eine Verpflichtungserklärung für die Einhaltung der Sechs-Monats-Frist abgeben. Zusätzlich führt die Börse eine zweite Wertpapiernummer ein, die den Papieren der Altaktionären zugeordnet wird. Sie lässt sofort erkennen, wenn zu früh verkauft wird und sie wird erst nach Ablauf der Sperrfrist gelöscht.

Erschwert wird auch der Wechsel von anderen Börsensegmenten in den Neuen Markt. Dies ist künftig erst nach Ablauf von zwei Jahren möglich. Mehr und mehr Unternehmen hatten sich zunächst im weniger strikten Freiverkehr listen lassen. Damit umgingen sie die strengen Regeln für den Neuen Markt, konnten aber trotzdem ohne Probleme in das begehrte Wachstumssegment wechseln. Auch die bevorrechtigten Zuteilung bei Neuemissionen an Freunde und Familien soll erschwert werden. Bislang wurden diese Papiere dem Streubesitz zugeordnet. Der Streubesitzanteil soll so dem Markt vollständig zur Verfügung stehen. Die Börse verlangt eine Mindestquote von 20 Prozent, besser seien 25 Prozent. In der Vergangenheit gab es Fälle, in denen die Hälfte der Emission an "Friends and Family" ging. Wegen des knappen Streubesitzes gab es deshalb in den ersten Handelstagen starke Kursausschläge. Verschärft werden zudem die Eigenkapitalvorschriften, um zu verhindern, dass Lücken beim Eigenkapital durch Kredite geschlossen werden.

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