Wirtschaft : Die deutschen Autobauer schließen Frieden

MÜNCHEN/WOLFSBURG/STUTTGART (wis/pha/fmd/HB).So völlig überraschend kam die Einigung von Bernd Pischetsrieder mit Ferdinand Piëch und Sir Ralph Robbins vom Flugtriebwerksbauer Rolls-Royce plc.über die Namensrechte nicht.Von der Möglichkeit, die Marken Rolls-Royce und Bentley aufzuteilen, sprach man schon seit der Entscheidung der Vickers-Aktionäre für das finanziell attraktivere Kaufangebot von VW.Dennoch war diese Lösung alles andere als ein Selbstläufer, obwohl beide Autobauer letztlich ihre Ziele erreichten.So wollte VW ursprünglich nur eine Luxusmarke im Konzern und bevorzugte Bentley.BMW wiederum hat bereits Modelle in der Schublade, die das Bentley-Segment abdecken und war mehr an Rolls-Royce interessiert.

Schon vor der überraschenden Einigung hatte Pischetsrieder stets betont, daß BMW mit oder ohne Rolls-Royce in das Luxuswagen-Segment einsteigen werde.Klar war, daß Fahrzeuge mit Preisen über 400 000 DM nicht unter dem Namen BMW auf den Markt kommen sollen, sondern als eigenständige Marke.Die Lücke zwischen den künftigen Rolls-Royces von BMW mit Preisen ab 400 000 DM und dem teuersten Siebener-BMW, der für weniger als 200 000 DM zu haben ist, hätte Bentley füllen sollen.Jetzt wird diese Rolle vermutlich ausgefüllt mit dem Luxus-Sportwagen "Z-07" sowie möglicherweise einer völlig neuen Baby-Rolls-Royce-Familie.

Auch Volkswagen hat mit seiner Entscheidung, Rolls-Royce an BMW abzutreten, einen logischen Schritt für ein in sich schlüssiges Marken-Portfolio unternommen.Die Einordnung der Wolfsburger Modellpalette samt der nunmehr sechs Pkw-Töchter zielt darauf ab, sich im Premiumsegment eher gediegen-dynamisch zu präsentieren.Das abgehoben-dekadente Image der Rolls-Royce-Modelle hätte keineswegs überzeugend in die Volkswagen-Welt gepaßt.Nicht ohne Hintersinn hatte Piëch ja schon im Vorfeld der Übernahmeschlacht größeres Interesse an Bentley bekundet, wohlwissend, daß die Schwestermarke von Rolls-Royce eher dem Understatement-Charakter der Wolfsburger Markenphilosophie entspricht.Ferdinand Piëch war immer nur an Marken interessiert, die dynamisches Potential in sich tragen.Die Übernahme von Lamborghini durch Audi ist ein weiterer Beleg dafür.Sie dürfte in wenigen Jahren zur Traumsportwagenmarke des Konzerns aufsteigen - sozusagen als Alternative zu Ferrari.

Einen eigenen Weg gehen dagegen die Manager von Daimler-Benz.Sie reaktivieren eine alte Marke: Rund 1500 bis 2000 Limousinen vom Typ "Maybach" wollen die Stuttgarter pro Jahr bauen - zu einem Stückpreis zwischen 400 000 DM und 500 000 DM.Gewinn soll bereits beim Absatz von 1000 Einheiten erzielt werden.Der erste "Maybach" dürfte nach dem Jahr 2000 vom Band rollen, wird in der Branche vermutet.

Als Produktionsstandort ist das Mercedes-Pkw-Montagewerk in Sindelfingen vorgesehen.Dort sollen die Fahrzeuge "quasi in Handarbeit" für einen exklusiven Kundenkreis gefertigt werden.Absatzmärkte sind Europa, Nordamerika und Asien."Mit dem Mercedes-Benz Maybach unterstreichen wir unseren Anspruch, in allen Segmenten die absolute Spitze darzustellen", sagt Konzernchef Jürgen Schrempp.Daimler-Benz hat im Gegensatz zu seinen Konkurrenten nie ernsthaft erwogen, das Preissegment oberhalb der S-Klasse durch eine Akquisition abzudecken.Zwar beobachtete man das Gerangel um Rolls-Royce sehr genau, trat jedoch nie als Kaufinteressent auf.

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