Wirtschaft : Die deutschen Banken in der Selbstfindung (Kommentar)

Daniel Rhee-Piening

Die deutschen Großbanken haben glänzende Halbjahreszahlen vorgelegt. Doch darf diese Tatsache nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Bankenlandschaft in Deutschland in einem gewaltigen Umbruch befindet. Deutschland ist "overbanked", sagen die Experten. Das heißt nicht, dass zu viele Außenstellen um zu wenige Kunden und um zu wenig Geld werben. Die traditionelle Bankfiliale ist zu teuer und damit so gut wie tot. In den Vorstandsetagen wächst der Druck - und entsprechend hektisch fallen die Aktivitäten aus. Die Deutsche Bank versucht es mit ihrem Konzept Bank 24, die Dresdner Bank schließt eine Zusammenlegung ihrer Filialen mit denen der Konkurrenz nicht aus. In Berlin will die Bankgesellschaft ebenfalls mit einem Rückzug aus der Fläche die Kosten drücken.

Aber dies sind nur die nationalen Planungen. Daneben müssen die Banken internationaler werden. Das ist nicht weniger schwierig als das Geschäft im eigenen Land. Doch hier liegen die deutschen Institute im europäischen Vergleich vorn. Während sich Italiener und Franzosen immer noch um eine neue Ordnung auf ihren Heimatmärkten bemühen, haben sich die Deutschen erfolgreich um Allianzen bemüht. Vorreiter war die Commerzbank. Weil sie die kleinste unter den Großbanken ist, hat sie ihren Einflussbereich nicht durch Übernahmen, sondern durch Partnerschaften ausgedehnt. Ein Weg, den nun auch die Deutsche Bank beschreiten will. Deren Chef Rolf Breuer musste erkennen, dass auch der Riese Deutsche Bank keine 150 Mrd. Euro für eine einzige Übernahme bezahlen kann. Und Breuer dürfte auch wenig Neigung verspüren, einen solchen Schritt zu planen. Die jüngste Übernahme von Bankers Trust hat gezeigt: Klappt es mit einer gemeinsamen Unternehmenskultur nicht, laufen zuerst die Mitarbeiter und dann die Kunden davon. Eine Strategie der Partnerschaft, die behutsam ausgebaut wird, ist auf die Dauer billiger.

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