Wirtschaft : Die deutschen Banken wollen gründlich aufräumen

beu/HB/Tsp

Sinkende Erträge und steigende Kosten zwingen die Banken in Deutschland zum Handeln. "In den nächsten drei Jahren werden die deutschen Kreditinstitute kräftige Einschnitte vornehmen." Dieses Fazit zieht der Vorstandsvorsitzende der Mummert + Partner Unternehmensberatung, Wilhelm Alms, in einer gemeinsam mit dem FAZ-Institut und dem Manager Magazin erarbeiteten Studie. Die Basis bildet eine Befragung im Februar 2002 von Führungskräften bei 100 deutschen Kreditinstituten.

Die Hauptursache der Ertragsprobleme der deutschen Banken ist nach dem Ergebnis der Studie hausgemacht: Die Kreditinstitute und Sparkassen haben ihre Kosten nicht im Griff. Nur wenige der Banker führen die Probleme der Branche auf die schlechte Konjunktur oder die anhaltende Börsenflaute zurück. Hingegen gibt mehr als die Hälfte der Geldhäuser zu, nicht effizient genug zu arbeiten und daher in den nächsten drei Jahren die Kosten senken zu wollen. 28 Prozent planen eine strategische Neuausrichtung.

Eine mit 92 Prozent überwältigende Mehrheit begrüßt die neuen Eigenkapitalregelungen von Basel II als Chance, die Kreditzinsen für Risikokunden anzuheben. So werden von drei Vierteln der Befragten steigende Kreditkosten für kleine und mittlere Unternehmen erwartet. Die "Industrialisierung" der Geschäftsprozesse solle nach Angaben der Bankmanager in den kommenden Jahren zur Kostensenkung beitragen, vor allem bei der Wertpapierabwicklung und bei den Konsumentenkrediten. Bis 2004 wird für die Automatisierung ein Fünftel der Investitionsbudgets reserviert, mehr als für das Kundenbeziehungsmanagement (13,8 Prozent) und die Riester-Rente (8,8 Prozent).

Während sich die meisten Kreditbanken beim so genannten Outsourcing noch zieren, haben Sparkassen und Genossenschaftsbanken hier bereits Fortschritte erzielt. Immerhin planen 86 Prozent, Unternehmensbereiche auszulagern, 70 Prozent gehen von einer Zusammenlegung der Bereiche mit anderen Instituten aus. Dies wird vor allem von Sparkassen und Genossenschaftsbanken befürwortet. Jedes zweite Institut strebt bis 2004 eine Fusion an.

Um die Lücken im Produktangebot zu schließen, sollen Partnerschaften mit Versicherungen und Fondsgesellschaften gebildet werden. 95 Prozent der befragten Top-Entscheider befürworten eine Zusammenarbeit mit der Assekuranz, 94 Prozent sprachen sich für eine Kooperation mit Fondsgesellschaften und ähnlichen Finanzdienstleistern aus. Eine "sehr starke Zusammenarbeit" ist nach Ansicht von 64 Prozent der Befragten sinnvoll. Damit könne den Kunden die komplette Finanzplanung und Vermögensverwaltung bis ins Alter geboten werden. Denn die besten Gewinnchancen sehen alle Befragten im Privatkundengeschäft. Die höchsten Wertschöpfungsbeiträge erwarten sie bei der Anlageberatung und der Finanzplanung sowie im Private Banking.

Stärkster Branchentrend bleibe das Internetbanking, konstatiert Alms. Die Entscheider wollen zwar die Investitionen im E-Banking kürzen, planen aber weitere Dienste wie digitale Signatur und Onlineberatung. Dennoch bemühen sich die Banken weiter um stärkere Kundennähe, da Internetbanken immer austauschbarer werden.

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