Wirtschaft : Die Deutschen geben Gas

Wachstum und Bildungsniveau locken viele Firmen nach Russland – bei allen Klagen über Bürokratie, Betrug und Korruption

F. Geiger/C. Wagner

Berlin - Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag in Moskau eintrifft, sind viele deutsche Unternehmen schon dort. Obi, Ritter Sport, Stollwerck – das sind nur einige deutsche Marken, die in Russland vertreten sind und dort glänzend laufen. Deutsche Unternehmen exportieren mehr nach Russland als nach Japan. Umgekehrt treiben die Russen mit keinem anderen Land so viel Handel wie mit Deutschland.

Die deutschen Firmen, die in Russland tätig sind, sind mit ihrem dortigen Geschäft zufrieden. 86 Prozent der Unternehmen spürten im vergangenen Jahr nach einer Umfrage des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft eine deutliche Verbesserung des Geschäftsklimas. Mehr als 60 Prozent der Unternehmen wollen sich in den nächsten zwei Jahren stärker in Russland engagieren. In vielen Branchen kooperieren deutsche und russische Unternehmen. Mehrere Faktoren verdeutlichen die großen Chancen in Russland: Die Wirtschaft wächst seit sieben Jahren kräftig – in den vergangenen Jahren um rund sieben Prozent. Vor allem der Dienstleistungssektor und der Handel entwickeln sich rasant. Der Einzelhandelsumsatz wuchs in den letzten Jahren zweistellig. Doch auch der deutsche Maschinenbau profitiert: Investitionen in die Modernisierung der russischen Industrie schlagen sich in einer höheren Nachfrage nieder.

Parallel dazu verbesserte die russische Regierung die Rahmenbedingungen, vor allem reformierte sie das Steuerrecht. Attraktiv für westliche Investoren sind ferner die hervorragend ausgebildeten jungen Leute. Vor allem in den Großstädten finden sie viele Arbeitnehmer mit Hochschulausbildung und guten Sprachkenntnissen.

Allerdings gibt es auch Risiken : Russische Bürokraten bevorzugen häufig einzelne Firmen und benachteiligen Neuankömmlinge aus dem Ausland. Für viele Aktivitäten, beispielsweise die Firmengründung oder Errichtung von Gebäuden, sind zudem Unterschriften zahlreicher Stellen nötig.

Bei Joint-Ventures mit russischer Minderheitsbeteiligung kommt es vor, dass der russische Partner plötzlich zum Mehrheitseigentümer wird. Viele Unternehmen nennen Betrug und Korruption als Hauptgründe dafür, dass sie nicht in Russland tätig sind. Schließlich ist die Vertrauenswürdigkeit der russischen Banken nicht sehr hoch.

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