Wirtschaft : Die Deutschen geben jede achte Mark für das Auto aus

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Laut DIW sind die Benzinpreiserhöhungen ohne Einfluss auf das Fahrverhaltenalf

Die Deutschen geben immer mehr fürs Auto aus und lassen sich dabei auch von höheren Spritpreisen nicht abschrecken. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) in seinem jüngsten Wochenbericht. Dem Institut zufolge gaben die privaten Haushalte 1998 rund 310 Milliarden Mark für Verkehrsleistungen aus, was einem Anteil an den gesamten Konsumausgaben der privaten Haushalte von rund 15 Prozent entsprach. Von den Verkehrsausgaben entfielen wiederum "fast neun Zehntel auf Ausgaben zur Anschaffung und zum Betrieb von Personenkraftwagen", schreibt das DIW. Jede achte Mark des privaten Konsums floss demnach ins Auto. Die Auswirkungen der Mineralölsteuererhöhungen seien vernachlässigbar, da sie sich "in moderaten Grenzen" hielten und über vier Jahre verteilten. Wichtiger jedoch sei die "relativ preisunelastische Nachfrage nach Kraftstoffen": Egal wie teuer der Sprit ist, an der Autobenutzung wird nicht gespart. Allerdings, so glaubt das DIW, werde durch die Ökosteuer - die im Kern die Erhöhung der Mineralölsteuer zugunsten niedrigerer Rentenbeiträge bedeutet - die Bereitschaft zum Kauf verbrauchsärmerer Autos gestärkt.

Nach den Ausgaben für Wohnungsmiete und für Nahrungs- und Genussmittel gegen die Deutschen inzwischen das meiste Geld für Verkehrsleistungen aus. (1950 lag die "Verwendungskategorie" Verkehr noch an sechster Stelle.) Im Laufe der Jahre sind die anteiligen Ausgaben für die öffentlichen Verkehrsmittel stetig zurückgegangen, von 1970 bis 1990 etwa von 18 auf zwölf Prozent. Gleichzeitig motorisierten sich die Haushalte: In Westdeutschland verfügten 1998 drei Viertel aller Haushalte über mindestens ein Fahrzeug; knapp ein Fünftel der Haushalte besaß mehr als ein Auto. Im Schnitt gab jeder Westhaushalt 690 Mark/Monat für Verkehrszwecke aus.

Und die Ostdeutschen holen auf. "Auch bei den Haushalten in Ostdeutschland lässt sich ein Trend zur Vollmotorisierung feststellen", schreibt das DIW. Im Jahr 1998 hatten 71 Prozent der Ost-Haushalte ein Auto in der Garage, das waren nur fünf Prozent weniger als im Westen. Mit Zweit- und Drittwagen sind die ostdeutschen Haushalte bereits annähernd so gut ausgestattet wie der Durchschnittshaushalt West. Zum Thema Kraftstoffpreise hat das DIW ermittelt, dass der Preis für bleifreies Superbenzin von 1990 bis 1998 um 33 Prozent anzog, während gleichzeitig die allgemeinen Lebenshaltungskosten nur um neun Prozent stiegen. Ursächlich für den Preisschub sei die Erhöhung der Mineralölsteuer für bleifreies Benzin um insgesamt 41 Pfennige zwischen 1991 und 1994. Vor Steuern lag der Benzinpreis 1998 um neun Pfennig unter dem Niveau von 1990.

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