Wirtschaft : Die Deutschen haben Angst – und sparen

Ein Drittel der Menschen fürchtet den wirtschaftlichen Abstieg / Die Bereitschaft zu mehr Vorsorge steigt

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Berlin (dr). Die Unsicherheit und die Angst in der Bevölkerung nehmen zu – fast ein Drittel der Menschen in Deutschland befürchtet eine Verschlechterung der eigenen wirtschaftlichen Situation. Nur 18 Prozent gehen von einer Verbesserung aus. Noch 2001 war die Einschätzung der Lage umgekehrt. Damals gingen fast 30 Prozent von einer Verbesserung aus, 18 Prozent befürchteten eine Verschlechterung. „Die Angst sich zu verschlechtern, reicht inzwischen bis tief in die Mitte unserer Gesellschaft“, kommentierte Sparkassenpräsident Dietrich Hoppenstedt am Mittwoch in Berlin das Ergebnis einer Umfrage der Sparkassen.

Zwar sind rund 85 Prozent der Menschen in Deutschland mit ihrer derzeitigen finanziellen Situation zufrieden, doch befürchten 29 Prozent der Deutschen, dass sie bald weniger Geld zur Verfügung haben werden. In Ostdeutschland sind es sogar 40 Prozent. Allerdings „geht es einer sehr großen Mehrheit heute vergleichsweise gut“, sagte Hoppenstedt bei der Vorlage des „Vermögensbarometers 2003“. Angesichts der Debatten um Renten und Sozialsysteme steigt die Bereitschaft zur privaten Alters- und Risikovorsorge, haben die Sparkassen festgestellt. Drei Viertel halten es demnach für „wichtig“ oder sogar „sehr wichtig“, über die gesetzliche Rente hinaus für das Alter zu sparen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben die Deutschen schon im vergangenen Jahr insgesamt 146 Milliarden Euro gespart – das waren pro Kopf 1800 Euro. Und die Bereitschaft zu sparen steigt: Im vergangenen Jahr haben die Deutschen 10,8 Prozent ihres Einkommens zurückgelegt und damit 0,8 Prozentpunkte mehr als im Boomjahr 2000, hat das Institut der Deutschen Wirtschaft herausgefunden.

Eine klare Mehrheit der Bundesbürger glaube, dass der Staat nicht mehr die alleinige Verantwortung für die Altersvorsorge übernehmen könne, sagte Hoppenstedt. Entscheidend für die Bereitschaft zu mehr Eigenvorsorge sei allerdings, „dass den Menschen die weit verbreitete Sorge vor Verschlechterungen der eigenen wirtschaftlichen Situation genommen wird“.

Als wichtigstes Kriterium für die Geldanlage ist für 96 Prozent der Bevölkerung die Sicherheit der Anlage, nur 77 Prozent schauen zuerst auf die Rendite. Die drei ersten Plätze auf der Skala der beliebtesten Anlageformen nehmen unverändert die Lebensversicherung (68 Prozent) der Bausparvertrag (58 Prozent) und das Sparbuch (55 Prozent) ein. Nur jeder Zehnte nennt die Riester-Rente als die am besten geeignete Vorsorgeform (siehe Kasten).

Doch die Sparkassen mussten bei ihrer Umfrage auch Folgendes feststellen: Nicht alle Menschen in Deutschland können von ihrem Einkommen noch Rücklagen für schlechtere Zeiten bilden. 13 Prozent der Befragten sehen sich gar nicht in der Lage, Geld für die Zukunft zurückzulegen.

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