Wirtschaft : „Die Deutschen müssen noch üben “

Expedia-Deutschland-Chefin Anja Keckeisen über die Angst vor dem Buchen im Netz und die Vorteile von Bausteinreisen

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Frau Keckeisen, warum sollte man online bei Expedia buchen und nicht im Reisebüro?

Sie müssen nicht warten bis Sie dran sind, Sie müssen keinen Parkplatz suchen, es ist einfach bequemer. Eine Reise um die ganze Welt würde ich auch im Reisebüro buchen, da ist unsere Technologie noch nicht so weit. Aber wenn Sie wissen wohin Sie möchten, lohnt es sich, online zu buchen. Zudem können Sie alle Veranstalter vergleichen – außer der Tui haben wir alles komplett im Angebot.

Warum nicht die Tui komplett?

Der Konzern hat sich bis jetzt nicht entschieden, ob und mit welchen Partnern er im Internet zusammenarbeiten will. Wir hätten jedenfalls nichts dagegen, mehr Tui-Reisen im Angebot zu haben.

Ist es bei Expedia auch billiger?

Man kann nicht sagen, dass alles im Internet generell billiger ist. Aber es hat ein Potenzial dafür: denn Hotels und Fluggesellschaften geben ihre Restkontingente gerne günstig an uns, weil sie dann mehr Menschen erreichen. Außerdem sind unsere Volumen größer, wir können deshalb bessere Konditionen aushandeln. Und: Man kann sich bei uns individuell ein Reisepaket zusammenstellen – das man dann zum Pauschalreisetarif bekommt. Das ist unser Dynamic-Packaging-Angebot, wir nennen es „Click & Mix“.

Was heißt denn das genau?

Das ist die Möglichkeit, flexibel zu reisen, aber mit den Preisvorteilen einer Pauschalreise, baut man sich seine eigene Reise. Man kann ab- und anreisen wann man möchte, kann 3, 4 oder auch acht Tage verreisen, und ist also nicht an die typischen Bedingungen des vorgeschnürten Pakets gebunden. Da Flug, Hotel und Mietwagen im Paket kommen, können die Anbieter ihre eigenen Preise nach unten brechen – denn das wird ja im Gesamtpreis nicht sichtbar. Direkt dazu kann man sich Zusatzleistungen buchen: Stadtrundfahrt, Helikopterflug in New York, Abendessen in Trendrestaurants.

Wer haftet, wenn etwas schief geht?

Wir. Jeder Kunde kriegt von uns einen Insolvenzschein zugeschickt, wir stehen dafür gerade, dass er in jedem Fall zurückgeholt wird. Auch bei Reklamationen sind wir diejenigen, die das Geld zurückerstatten.

Wie laufen Bausteinreisen in Deutschland?

Über unseren Erwartungen – die Umsätze liegen jetzt bei denen, die wir mit der Vermittlung der Pauschalreisen anderer Veranstalter generieren. Wir wollen das Angebot deutlich ausbauen, zusätzlich zu Städtereisen auch Strandziele ins Programm nehmen. In diesem Sommer fangen wir damit an, in Spanien, Portugal und Tunesien.

Kann man bei Expedia nur Reisen kaufen?

Das ist auf jeden Fall unsere Kernkompetenz, alles um das Reisen herum anzubieten. Allerdings werden wir ab Herbst in Deutschland die Zusatzleistungen wie Konzerttickets auch ohne Reise verkaufen.

Wie läuft es im deutschen Markt?

Wir wachsen jetzt zum dritten Mal in diesem Quartal im deutlich dreistelligen Bereich bei den Umsätzen. Aber der deutsche Markt hat sich viel langsamer entwickelt als der englische – die Deutschen haben noch immer wenig Vertrauen ins Internet und zahlen ungern mit Kreditkarte.

Kann man bei Expedia nur mit Kreditkarte zahlen?

Unsere eigenen Reisen ja - aber ab Sommer führen wir zusätzlich eine Zahlungsart ein, bei der das Konto elektronisch abgebucht wird. Bei den von uns vermittelten Reisen bestimmt der Veranstalter die Zahlungsart.

Was bringt die Zukunft?

Jetzt geht es um die Verfeinerung der Technologie beim Dynamic Packaging: wir wollen Sonderangebote für Kinder ausbauen, und neue Zusatzangebote wie Wellness oder Sport anbieten. Außerdem wollen wir dem Kunden genau zeigen, was er spart, wenn er sich bei uns ein Paket schnürt: Wir werden den Preis der Einzelleistungen neben dem Paketpreis anzeigen. Diese Entwicklungen werden noch in diesem Jahr kommen. In den USA kann man schon sehr komplexe Reisen buchen, aber dafür sind die Deutschen Internetuser noch nicht genug geübt. Wegen der besseren Internetanschlüsse können wir auch bald virtuelle Hotelführungen machen.

Das Gespräch führte Flora Wisdorff.

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