Wirtschaft : Die Deutschen sind langweilig

Tewe Pannier

Das Geschäftsleben kann so heiter, so simpel sein, wenn man nur ein paar ordentliche Vorurteile pflegt und die Mitmenschen je nach Herkunft in Schubladen sortiert. In Arabien, wo fast überall Menschen von fast überall leben, gibt es besonders viele Schubladen, besonders viele Vorurteile, besonders viel Gesprächsstoff.

Frage einen Ägypter zum Beispiel nach einem Libanesen, und die Antwort kommt lakonisch, als sei sie ein Naturgesetz: „Ach, die Libanesen sind alle korrupt und faul.“ Frage einen Libanesen nach einem Ägypter und das Naturgesetz kehrt sich plötzlich um: „Ach, die Ägypter sind alle faul und korrupt.“ Gemeinsam haben Ägypter und Libanesen ihre Meinung über die Syrer: „Die sind hochnäsig und hinterhältig!“

Die Iraker haben Glück gehabt: Sie gelten als die Deutschen unter den Arabern. Und die Deutschen sind effektiv, fleißig, zuverlässig. Womit wir bei den Engländern wären. „Die rufen mit versoffener Stimme kurz vor Arbeitsbeginn beim Auftraggeber an, fragen, wo der Bus ist, der sie zur Bohrstelle bringt, und ob man ihnen Werkzeug leihen kann“, erzählt Hamed, der in Kuwait in der Ölindustrie arbeitet. „Die Deutschen haben den Weg zur Bohrstelle schon zu Hause auf einer Landkarte eingezeichnet. Eine halbe Stunde vor Arbeitsbeginn kommen sie in ihrem Leihwagen an, damit sie in Ruhe ihre Werkzeuge aus den Alu-Koffern packen können.“

Die Amis, klar, sind laut und naiv. Inder, das weiß jeder, können nicht Auto fahren. Pakistanis können gar nichts außer Cricket spielen. Omanis sind sehr, sehr, sehr langsam. Italiener viel zu schnell. Vorsicht vor Chinesen! Du reichst ihnen den kleinen Finger, sie nehmen den ganzen Arm.

Einigen Mitmenschen hatte ich kürzlich Gesprächsstoff geliefert. Nach meiner Absage einer Sause durch das nächtliche Dubai war ich zum Telefonieren auf den Flur gegangen. Durch die angelehnte Tür des Konferenzraumes hörte ich den Iraner sagen: „Die Deutschen sind einfach langweilig!“ Mit großer Selbstverständlichkeit, als bestätigten sie ein Naturgesetz, stimmten ihm die anderen zu.

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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