Die Deutschen sparen nicht mehr : Haus schlägt Sparbuch

Weil Geld auf der Bank nichts mehr einbringt, setzt jeder zweite Deutsche auf Immobilien – trotz Warnungen vor überhöhten Preisen.

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Hinter Dünen stehen einige Mehrfamilienhäuser.
Der Traum vom Heim. Eigentumswohnungen und Häuser sind bei privaten und professionellen Investoren sehr gefragt.Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Die Deutschen haben es satt. Wer heute 1000 Euro auf ein Sparbuch bei der Berliner Sparkasse legt, bekommt nach fünf Jahren mickrige 1025,25 Euro heraus – trotz Zinseszins-Effekt. Bei der Berliner Volksbank ist es sogar noch weniger, hier springen nur 1012,56 Euro heraus. Die Postbank zahlt eine Winzigkeit mehr Zinsen, hier stehen am Ende immerhin 1035,49 Euro. Allerdings: In den vergangenen Jahren hat die Inflation die schönen Sparerträge stets aufgezehrt – wer Geld auf die Seite legte, wurde ärmer.

Kein Wunder, dass die Bürger die Lust an der Altersvorsorge verlieren. Zwölf Prozent legen weniger auf die hohe Kante als vor einem Jahr, ergab das Vermögensbarometer, eine Umfrage der Sparkassen unter 2000 Bundesbürgern. Nur sieben Prozent legen mehr Geld zurück. Als ein „ernst zu nehmendes Warnsignal“ beklagte dies am Donnerstag in Berlin Georg Fahrenschon, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. „Das Ersparte fehlt den Menschen später.“

Von 100 Euro Nettoeinkommen würden nur noch 10,30 Euro zurückgelegt. „Noch vor fünf Jahren waren es 11,50 Euro.“ Bei einer zu geringen Vorsorge steige das Risiko der weitverbreiteten Altersarmut. Beim Vergleich der Sparquoten liegen die Berliner Bürger mit 8,8 Prozent im unteren Mittelfeld der Bundesländer – die Menschen in Baden-Württemberg sparen mit 11,9 Prozent so viel wie niemand sonst in der Republik.

Schuld sind die im Zuge der Finanzkrise immer weiter gesunkenen Zinsen. Vor allem das Ansehen des klassischen Sparbuchs leidet darunter – nur noch 19 Prozent der Deutschen halten es für eine gute Idee, ihr Geld dort zu parken – vor einem Jahr waren es noch 27 Prozent. Bei den meisten verbreiteten Vorsorgeprodukten war es ähnlich. Mit einer Ausnahme: Bereits jeder zweite Befragte nannte die selbst genutzte Immobilie als favorisiertes Vorsorge-Instrument – vor einem Jahr waren es noch 45 Prozent. Dabei häufen sich die Warnungen vor bereits überzogenen Preisen zumindest in mehreren Großstädten. Jeder achte Anleger sucht zwar gezielt nach gewinnversprechenden Anlageformen. Fast die Hälfte (46 Prozent) lehnt Aktien aber als „spekulativ“ ab – trotz der enormen Kurszuwächse seit Jahresbeginn.

Fahrenschon verlangt angesichts der gesunkenen Vorsorgeneigung mehr Einsatz von der Politik. „Wir müssen dafür kämpfen, dass die Sparanstrengungen nicht noch weiter sinken“, befand er. Der Bund solle das Geld, das er durch die niedrigen Zinsen bei seinem Schuldendienst spart, zumindest teilweise für die Vermögensbildung seiner Bürger ausgeben. Zum Beispiel könne die Regierung die Einkommensgrenzen anheben, bis zu denen Bausparer Prämien und Zulagen gezahlt bekommen. Sie sind seit 1996 nicht mehr angehoben worden. Daneben, schlug Fahrenschon weiter vor, solle die Riester-Rente stärker gefördert werden. „Sie muss zur Vorsorge für jedermann ausgebaut werden.“

Trotz der mäßigen Sparergebnisse sind die Deutschen mit dem Inhalt ihres Geldbeutels zufrieden wie lange nicht. 57 Prozent der von der Sparkasse Befragten nannten ihre finanzielle Situation gut oder sehr gut. Jeder vierte Befragte erwartet zudem, dass es in der nächsten Zeit noch besser wird. „Der Anteil der Skeptiker hat sich in fünf Jahren halbiert“, berichtete Fahrenschon. Nur 15 Prozent der Befragten glauben, dass sich ihre persönliche Finanzlage in den nächsten zwei Jahren verschlechtert. Die Ursache sei vor allem die gesunkene Arbeitslosigkeit.

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