Wirtschaft : Die Deutschen sparen und sparen

Bürger haben im ersten Halbjahr 78,6 Milliarden Euro zur Seite gelegt/Altersvorsorge im Vordergrund

Bernd Hops

Berlin - Die Deutschen legen mehr Geld zur Seite. Im Schnitt seien im ersten Halbjahr 2005 monatlich von jedem Bundesbürger 160 Euro gespart worden, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Insgesamt ergab das eine Summe von 78,6 Milliarden Euro – und das sind rund 2,9 Milliarden mehr als zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) hat in einer aktuellen Umfrage zum Sparverhalten in Deutschland festgestellt, dass den Menschen vor allem die Altersvorsorge immer wichtiger ist. Dieses Thema sei bei den Bürgern jetzt angekommen, hieß es. DSGV-Präsident Dietrich H. Hoppenstedt warnte jedoch davor, den Trend als „Angstsparen“ abzuqualifizieren. Besonders vor dem Hintergrund der Altersvorsorge werde eher noch zu wenig gespart.

Die Sparquote in Deutschland liegt derzeit bei 10,6 Prozent. Das heißt, von 100 Euro, die ein Bürger nach Abzug aller Sozialbeiträge und Steuern und zuzüglich staatlicher Transfers wie Kindergeld oder Arbeitslosengeld tatsächlich in der Tasche hat, legt er 10,60 Euro zurück. Im vergangenen Jahr lag die Quote bei 10,4 Prozent, im Jahr 2000 sogar lediglich bei 9,2 Prozent. Es könne aber nicht von einer „übermäßig hohen Sparneigung“ gesprochen werden, schreiben die Statistiker – das zeige der Vergleich mit den 90er Jahren (siehe Grafik). In absoluten Zahlen wurde mehr gespart, weil die verfügbaren Einkommen gestiegen sind.

Bei dem jüngsten „Vermögensbarometer“ des DSGV fanden die Meinungsforscher heraus, dass es kaum noch einen Bürger gibt, der die private Altersvorsorge nicht als wichtiges Thema ansieht. Insgesamt gilt sie den meisten als wichtigstes Sparziel. Denn nur noch 2,4 Prozent der Befragten waren der Ansicht, dass die staatliche Rente in Zukunft ausreichen werde. Bei den unter 40-Jährigen sei die Quote sogar gleich null, sagte DSGV-Präsident Hoppenstedt. Im Jahr 2001 hatten noch 9,6 Prozent aller Befragten angegeben, die gesetzliche Rente werde ihre Versorgung im Alter sichern. Doch obwohl mittlerweile fast alle das Problem erkannt haben, legen laut Umfrage fast vier von zehn Bürgern nichts für die Altersvorsorge zurück. Der DSGV rechnet auch nicht damit, dass die Zahl zurückgehen wird, denn 18 Prozent der Menschen sehen ihre Finanzsituation im Moment als schlecht oder eher schlecht. Im Vorjahr waren es 15,7 Prozent. Fast jeder Dritte rechnet außerdem damit, dass sich seine Situation in den kommenden Jahren eher verschlechtern wird. Daneben ist laut dem Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverband (OSGV) die Wohlstandsschere zwischen Ost und West weiter auseinander gegangen. 26,9 Prozent der dortigen Befragten bewerten ihre finanzielle Situation als schlecht oder eher schlecht.

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