Wirtschaft : „Die Deutschen stehen auf schwarz“

Fujio Nishida, Präsident von Sony Europe, über komplizierte Geräte, den neuen DVD-Standard und Vorlieben der Kunden

-

Herr Nishida, können Sie alle Geräte von Sony bedienen?

Natürlich braucht man eine Bedienungsanleitung. Aber wir bemühen uns, dass der Zugang zu neuen Geräten immer benutzerfreundlicher und einfacher wird. Früher hatten wir nur eine Anleitung, die man von vorne bis hinten lesen musste. Inzwischen sind die Produkte aber so komplex geworden, dass die Anleitung oft ein dickes Buch geworden ist. Daher gibt es für all diejenigen, die nur die Basisfunktionen nutzen wollen, jetzt eine Kurzanleitung zum einfachen Start.

Verstehen Sie, dass viele Menschen sich vor neuer Technik fürchten?

Ja, das verstehe ich. Die Angst habe ich auch, vor allem wenn es um Produkte geht, die mit einem Netzwerk oder dem Internet verbunden werden sollen. Für uns als Hersteller ist es eine große Herausforderung, die Bedienung so einfach wie möglich zu machen.

Und wie schaffen Sie das?

Die Anwendungen bleiben komplex. Es wäre zum Beispiel kein Problem, eine Kamera mit nur drei einfachen Funktionen zu machen: Objekt wählen, abdrücken, Bild anschauen. Die meisten Menschen machen gar nicht mehr. Aber wenn wir so eine Kamera bauen würden, würde sie keiner kaufen. Die Leute erwarten zusätzliche Funktionen, sie wollen einen Mehrwert. Das heißt nicht, dass sie alle nutzen, aber sie wollen alles haben. Das ist ein psychologischer Effekt: Wenn zwei Produkte den gleichen Preis haben, kauft der Kunde das Produkt, das mehr kann.

Der Kunde ist schuld, dass alles immer komplizierter wird?

Heute ist es ganz einfach, viele verschiedene Funktionen in einem Chip zu integrieren. Es ist egal, ob Sie die vielen Funktionen mögen oder nicht: Sie sind da.

Ab November kann man in Europa die neue Spielkonsole Playstation 3 kaufen. Wie werden wir künftig spielen?

Es gibt zwei Arten von Spielen: Für die einen ist Hochtechnologie überflüssig. Um sich mit einfachen Spielen wie Pacman oder Tetris zu amüsieren, braucht man nicht in teure Geräte zu investieren. Die Playstation zielt auf etwas ganz anderes ab: Die hochauflösende Darstellung kommt an die Qualität von echten Videoaufnahmen heran. Die Leistung des Prozessors ist so gut, dass die Computergrafik sehr nahe an der Realität ist. Aber man kann die Playstation auch als Terminal benutzen, um Videos aus dem Internet herunterzuladen. Die Technologie gibt uns viele neue Möglichkeiten für Spiele und Unterhaltung. Aber natürlich ist das nicht billig. Die Playstation 3 wird ab 499 Euro kosten.

Sie konkurrieren schon lange nicht mehr nur mit Herstellern von Unterhaltungselektronik. Wer sind heute ihre größten Herausforderer?

Wir haben ein sehr großes Produktportfolio. Das reicht von der Ausrüstung für professionelle Sendeanstalten bis zu winzigen Kopfhörern. In jeder Kategorie haben wir andere Wettbewerber. Sonys große Herausforderung ist, dass wir auf so vielen Feldern mit Spezialanbietern konkurrieren. Ein Kamerahersteller kann sich auf eine Sache konzentrieren und viele Ressourcen für die Entwicklung neuer Produkte aufwenden. Wir müssen entscheiden, wo wir unsere limitierten Ressourcen einsetzen. Wir wollen die Nummer eins auf jedem Gebiet sein. Das ist schwer.

Geben Sie das Ziel auf?

Wir wollen immer noch überall Nummer eins sein, aber wir müssen uns auf strategische Geschäftsfelder konzentrieren. Diesen Fokus hatten wir früher nicht. Dieser Fokus ist aber wichtig für die Zukunft von Sony.

Sie trennen sich von Geschäftsbereichen?

Ich nenne einige Beispiele: Wir haben uns entschieden, das Geschäft mit Aibo zu beenden. Das ist ein kleiner Roboter mit künstlicher Intelligenz.

Den niemand kaufen wollte.

Ja, das ist das Problem. Aber wir nutzen die Technologie weiter. Sie kann in künftigen Produkten eingesetzt werden. Die Technologie ist wichtig, das Produkt war es nicht. Außerdem haben wir uns bei den Fernsehern von der Plasmatechnik verabschiedet. Wir konzentrieren uns jetzt auf LCD. Wir glauben ferner, dass Display-Technologie sehr wichtig sein wird. Außerdem werden wir uns auf den Bereich Halbleiter fokussieren. Wir haben bereits viel Geld in den Cell-Chip, der auch in der Playstation 3 zum Einsatz kommt, investiert. Beide Gebiete sind entscheidend für unsere Zukunft und für die Produktentwicklung.

In der Branche gibt es einen Streit über den künftigen Standard für die hochauflösenden DVDs. Für den Verbraucher ist es schlecht, wenn sich die Industrie nicht einigen kann. Das schadet am Ende auch den Unternehmen.

Wir haben versucht, uns mit Wettbewerbern wie Toshiba zu einigen. Aber es ist uns unglücklicherweise nicht gelungen. Wir sind überzeugt, dass unser Format Blu-ray für den Kunden das beste ist. Wegen der größeren Kapazität der Discs. Aber auch die Filmindustrie, die sehr unter Raubkopien zu leiden hat, fragt nach einer neuen Technologie mit einem besseren Kopierschutz. Die Blu-Disc ist schwerer zu hacken. Daher haben alle großen Studios mit uns Verträge abgeschlossen und setzen auf Blu-ray.

Unterhaltungselektronik, Telekommunikation und Computer wachsen zusammen. Werden wir bald alle Funktionen in nur einem einzigen mobilen Gerät haben?

Das macht Sinn. In Japan zum Beispiel haben die Mobiltelefone heute schon einen Fernsehempfänger. Aber die Größe spielt dabei eine wichtige Rolle. Wenn ein Mobiltelefon doppelt so groß wird wie heute üblich, dann will das niemand. Die Herausforderung ist, alle Funktionen in die kleine Form zu bringen. Aber auch wenn das Handy einen Fernsehempfänger hat, bedeutet das nicht, dass ich zu Hause kein Fernsehgerät mehr brauche.

Das heißt, es wird das eine multifunktionale Gerät nicht geben?

Die Menschen mögen All-in-One-Produkte nicht. Produkte, die für ganz bestimmte Anwendungsbereiche gemacht sind, verkaufen sich besser.

Gibt es Produkte, die sich auf der ganzen Welt gleichermaßen verkaufen lassen?

Für den Hersteller wäre das prima. Aber für den Kunden muss das nicht gut sein. Deshalb funktioniert es nicht. Als Hersteller muss man die Balance finden, zwischen den Gemeinsamkeiten und den lokalen Anpassungen.

Wissen Sie, was der deutsche Kunde will?

Ja. Ich weiß, welche Farbe er mag: am liebsten schwarz. Und welches Design er will: rechteckig und sehr minimalistisch. Aber vor allem muss das Produkt sehr preiswert sein. Der Preis spielt eine große Rolle.

Das Gespräch führte Corinna Visser.

0 Kommentare

Neuester Kommentar