Wirtschaft : Die deutschen Wirtschaftsforscher werden skeptischer

BERLIN (kvo/guk/asi).Knapp eine Woche bevor sich die Bundesregierung am nächsten Mittwoch mit dem Jahreswirtschaftsbericht 1999 befassen wird, beurteilen die deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute das Wachstum im laufenden Jahr verhaltener.Wegen der Krisen in Asien und Lateinamerika sieht das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut WSI der Hans-Böckler-Stiftung nur noch ein Wachstum von rund 1,5 Prozent voraus und revidiert damit seine jüngste Prognose von 1,9 Prozent nach unten.Im Jahreswirtschaftsbericht geht Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine (SPD) von einem Wachstum von 2,0 Prozent und 4,1 Millionen Arbeitslosen im Jahresmittel aus.

Daß die Arbeitslosenzahlen in den kommenden zwölf Monaten zurückgehen, bezweifelt Claus Schäfer vom WSI.Dem Tagesspiegel sagte Schäfer, daß er von der Bundesregierung eine Politik erwarte, die die Binnennachfrage stärkt.Auch sollte die Steuerreform vorgezogen werden.

Auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft IfW zeigt sich jetzt weniger optimistisch als noch vor zwei Wochen.Zwar gehe die Prognose des Berliner DIW mit 1,4 Prozent Wirtschaftswachstum zu weit, dennoch sehe man das Wachstum jetzt eher bei 2,0 als bei 2,3 Prozent, sagte IfW-Volkswirt Joachim Scheide.Das Münchener Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung geht von einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent aus.Ifo-Experte Wolfgang Meister schätzt, daß die Arbeitslosenzahl 1999 bei 4,05 Millionen liegen wird.Das Institut meint, daß ein Zusammenfassen der zweiten und dritten Stufe der Steuerreform und eine Inkrafttreten in 2000 positiven Einfluß auf die Erwartungen der Unternehmen und der Bevölkerung hat.Das könnte schon Wirkung bei der wirtschaftlichen Entwicklung in diesem Jahr haben.Beim Ifo tritt am 1.Februar Hans-Werner Sinn als fünfter Präsident die Nachfolge von Karl Friedrich Oppenländer an.Dieser hatte das Institut seit 1976 geleitet.Der Konjunkturforscher Eckhardt Wohlers vom HWWA-Institut für Wirtschaftsforschung Hamburg prognostiziert weiterhin ein Wachstum von 2 Prozent.Die Risiken für die Konjunktur, schränkt er allerdings ein, "sind größer geworden".Die Politik müsse die öffentlichen Ausgaben beschneiden.Weitaus positiver sieht die Konjunktur das Rheinische Forschungsinstitut RWI in Essen mit 2,8 Protent Wachstum.Man gehe davon aus, hieß es am Freitag im RWI, daß die Situation zur Zeit mit den Krisen in Asien und Rußland eine einmalige Situation sei, die nur zu einer vorübergehenden Eintrübung führe.Die Wirtschaft werde sich wieder erholen, was auch für den Export gelte.Für Ostdeutschland sei man verhalten optimistisch.Die Bauwirtschaft werde sich am Jahresanfang schwächer entwickeln, sich dann aber stabilisieren.

Das Hallenser Forschungsinstitut IWH und das Kölner IW beharren auf ihren Aussagen von 2,2 und 2,0 Prozent Wachstum.Auf keinen Fall werde 1999 so gut ausgehen wie 1998, sagte IW-Forscher Jörg Beyfuß, als im ersten Quartal zweistellige Zuwachsraten erreicht wurden.Der Schock durch die internationalen Krisen schlage sich zwar in den Zahlen nieder, sagte Beyfuß.Trotzdem müsse man sehen, daß die Hauptabnehmerländer von deutschen Exporten in Europa liegen.Die Bauwirtschaft werde in Ostdeutschland eine Konjunkturbremse bleiben, trotzdem würden Ost- und Westdeutschland in gleichem Tempo wachsen.Zinssenkungen seien überflüssig, Investitionen würden nicht wegen zuwenig Geld, sondern wegen Verunsicherung zurück gehalten.

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