Wirtschaft : Die Deutschen zaudern beim Autokauf

Autogipfel im Kanzleramt – Hersteller werfen Umweltverbänden im Streit um Rußfilter für Diesel-Fahrzeuge „Wichtigtuerei“ vor

Alfons Frese

Berlin - Der so genannte Autofrühling hat nur zwei Monate gedauert. Nachdem die Deutschen im März und April mehr neue Autos gekauft hatten, scheuten sie im Mai den Gang zum Händler. Mit 282000 wurden hier zu Lande acht Prozent weniger Autos zugelassen als im Mai 2003. In den ersten fünf Monaten gab es 2,5 Prozent weniger Pkw-Käufe. Damit wird immer wahrscheinlicher, dass der Automarkt das vierte Jahr nacheinander schrumpft. Der Gelsenkirchener Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat berechnet, allein auf Grund der hohen Benzinpreise würden in diesem Jahr rund 60000 Autos weniger gekauft.

Derweil setzte sich der Streit um den Einsatz des Rußfilters in Dieselfahrzeugen fort. Umweltverbänden zufolge verursachen Dieselabgase jährlich den Tod von 18000 Personen in Deutschland. Deshalb forderten unter anderem Greenpeace, der BUND sowie der Verkehrsclub Deutschland am Montag in Berlin die flächendeckende Einführung von Partikelfiltern, mit denen rund 99 Prozent aller gefährlichen Stoffe aus den Abgasen gezogen würden. Der Partikelfilter war am Montag auch Thema im Kanzleramt. Bundeskanzler Gerhard Schröder traf sich mit den Spitzen des europäischen Automobilverbandes ACEA. Neben dem gegenwärtigen ACEA-Präsidenten, dem VW-Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder, nahmen unter anderem Scania-Chef Leif Östling und der Ford-Europa-Chef Louis Booth an dem Gespräch teil. Schröder stellte sich dabei an die Seite der Industrie. Bevor die Politik den Rußfilter fördere, sollten europaweit gültige Grenzwerte entwickelt werden. Bis Ende des Jahres sollte die EU-Kommission „gemeinsam mit der Industrie“ eine Richtlinie für die Euro-V-Norm entwickeln. Anschließend sollten die Bundesländer, die die Kfz-Steuer kassieren, über eine steuerliche Förderung entscheiden.

Nach Angaben der Umweltverbände sind in Deutschland nur zwei Prozent aller Autos mit Partikelfiltern ausgerüstet. Die deutschen Autohersteller haben bislang auf technologische Alternativen zum Filter gesetzt, VW-Chef Pischetsrieder warnte deshalb sogar vor einer steuerlichen Privilegierung des Filters. Nach Einschätzung der Umweltorganisationen hängt das damit zusammen, dass VW die Filtertechnologie verschlafen habe. Bei VW hieß es dazu, der Konzern richte sich bei seiner Strategie nach der Euro IV-Norm, die ab Januar 2005 gilt. VW konzentriere sich dabei auf eine Verbesserung des Verbrennungsprozesses im Motor. „Wir reduzieren damit nicht nur Partikel, sondern auch die gasförmigen Stoffe in den Abgasen“, sagte VW- Sprecher Harthmuth Hoffmann. Der Verband der Autoindustrie (VDA) schoss am Montag scharf gegen die Umweltorganisationen. VDA-Präsident Bernd Gottschalk sprach von „schlagzeilenträchigen Selbstinszenierungen und Wichtigtuerei“.

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