Wirtschaft : Die Dresdner Bank finanziert das Bauprojekt Messestadt Frankfurt

Rolf Obertreis

Gelacht haben Deutsche Bahn-Vorstandsmitglied Dieter Ullsperger und der Frankfurter Star-Architekt Albert Speer am Donnerstag zwar nicht. Aber ein Schmunzeln war doch unverkennbar, als die Nachricht vom Rückzieher der Deutschen Bank von ihrem Messestadt-Projekt genau in die Pressekonferenz platzte, auf der Ullsperger und Speer ihr Konzept für das 90 Hektar große Gelände des ehemaligen Hauptgüterbahnhofs in Frankfurt präsentierten. Die ganze Angelegenheit wird für die Deutsche Bank noch peinlicher, weil einer ihrer größten Konkurrenten Finanzier des jetzt geplanten Europa Viertels ist: Die Dresdner Bank.

Auf den ersten Blick ist der Rückzieher der Deutschen Bank von dem Milliarden-Projekt verständlich. Die Bahn verkauft das notwendige Grundstück nicht. Also kann das schönste Konzept der Deutschen Bank auch nicht verwirklicht werden. Bank-Sprecher Dierk Hartwig müht sich denn auch, den überraschenden Rückzieher seines Hauses von dem Projekt herunterzuspielen. Der Bank sei einfach die Basis entzogen, das Projekt weiterzuverfolgen. Man bedauere, das Gesamtkonzept für einen modernen neuen Stadtteil - er sollte selbst den Potsdamer Platz in Berlin in den Schatten stellen - nicht realisieren zu können. "Wir sind trotzdem nicht beleidigt", sagt Hartwig und betont die Kooperationsbereitschaft der Bank beim jetzt geplanten Konzept.

Damit macht er es sich allerdings einfach: Vor rund fünf Wochen, am 14. Juli hatte Vorstandssprecher Rolf Breuer das Konzept des von der Bank beauftragten Star-Architekten Helmut Jahn mit lautem Getöse präsentiert. Auf der Pressekonferenz herrschte mehr Andrang als bei der Bilanz-Vorlage der Bank, ein Videofilm, ein riesiges Modell und eine Hochglanzbroschüre gaben eindrucksvoll Einblick in das 6,5 Mrd.-DM-Projekt. Geplant waren Kultur-, Unterhaltungs- und Sporteinrichtungen, ein Einkaufszentrum, eine große Sporthalle und ein Fußballstadion. "Mit der Messestadt kann sich Frankfurt auch weltweit in die bedeutenden Metropolen einreihen", meinte Breuer damals. Und gab sich sicher, dass die Bahn das Grundstück verkaufen, die Stadtverordneten das Projekt gutheißen würden und in zehn Jahren alles Wirklichkeit. Breuer war überzeugt, dass die Stadt am Projekt der Bank nicht vorbeikomme. Auch Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) war begeistert.

Doch die Deutsche Bank hat sich verhoben. Seit Mitte Juli wurde mehr und mehr deutlich, dass das Vorhaben in seiner ursprünglichen Form nicht zu halten war. Die Bank hatte die Belange der Messe nicht ausreichend berücksichtigt ebenso wenig die verkehrliche Anbindung. Stadtplanungsdezernent Martin Wentz (SPD) war ohnehin skeptisch. Und dann verkaufte die Bahn zwei größere Abschnitte des Grundstücks an die Messe, der letzte Kaufvertrag wurde am Mittwoch unterzeichnet.

Die Bahn hatte die Deutsche Bank ohnehin nicht auf der Rechnung. Für die Banker war klar, dass sie nur am Verkauf interessiert sein konnte, schließlich ist Bahn-Chef Ludewig auf jeden Pfennig angewiesen und das möglichst schnell. Die Bahn hat es sich anders überlegt und hat damit der Bank einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. "Unser Konzept ist das Ergebnis eines demokratischen und transparenten Prozesses", betonten die Bahn-Manager und kritisierten damit auch die Deutsche Bank, die mehr oder weniger überraschend auf den Plan getreten war. Gleichwohl ist das Viertel vom finanziellen Volumen imposant: Insgesamt sollen neun Mrd. DM investiert werden. 4 100 Wohnungen sollen entstehen, 13 000 Arbeitsplätze entstehen. Kernstück des neuen Stadtteils ist ein 60 Meter breiter und 1,2 Kilometer langer Boulevard. Er soll repräsentative Einkaufsstraße sein, Büros soll es geben und ein Grand Hotel. Aber der Boulevard soll internationalen Konzernen auch Platz für repräsentative Gebäude bieten. Das Geschäft macht jetzt die Dresdner Bank.

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