Wirtschaft : Die Dresdner Bank hat ein schwieriges Jahr hinter sich

FRANKFURT (MAIN) (ro).Obwohl die Dresdner Bank rund 40 Mill.DM Geldbuße bezahlt, ist dies für Vorstandssprecher Bernhard Walter kein Schuldeingeständnis dafür, daß die Bank Steuerhinterziehung von Kunden unterstützt hat."Wir haben nichts Böses getan.Die von der Justiz vorgenommenen rechtlichen Wertungen und Schlußfolgerungen sind so nicht zutreffend", betonte Walter am Freitag auf der Bilanzpressekonferenz.Man habe gezahlt, um die für die Mitarbeiter und Kunden bedrückende Lage nach fünf Jahren zu beenden und noch größeren nicht meßbaren Schaden von der Bank abzuhalten."Das ist uns 40 Mill.DM dicke wert", sagte Walter.

Ob die Ermittlungen gegen die Bank wirklich eingestellt werden, ist allerdings offen.Die Frankfurter Staatsanwalt jedenfalls fühlt sich nicht an die Vereinbarung der Bank mit den Behörden in Düsseldorf gebunden.Diese "Verständigungslösung" beinhalte, so Walter, daß die Dresdner Bank keine Namen von Kunden weitergibt, daß die Vernehmung von Bank-Mitarbeitern als Zeugen vermieden wird und keine weiteren Durchsuchungen erfolgen.Auch Fehler der Bank bei der Werbung für die Geldanlage in Luxemburg sieht Walter nicht."Alle Institute haben dafür geworben, die Dresdner Bank war bei den letzten die damit begonnen haben." Daß die Bank die gegen den ehemaligen Vorstandssprecher Jürgen Sarrazin und gegen andere Manager verhängten Geldbußen von insgesamt vier Mill.DM übernimmt, sei selbstverständlich.Jeder Mitarbeiter habe einen solchen Anspruch, wenn angebliche Vergehen im Zusammenhang mit der Tätigkeit für die Bank stünden.

Nicht nur wegen der Vorwürfe der Steuerbehörden sei das vergangene Jahr für die Bank sehr schwierig gewesen, sagte Walter.Trotzdem habe die Dresdner Bank einen sehr klaren und sehr konsequenten Kurs gefahren.Man habe mit ungewöhnlichen Belastungen etwa in Asien, Rußland und Lateinamerika reinen Tisch gemacht.Die Risikovorsorge wurde um 52 Prozent auf knapp 2,2 Mrd.DM aufgestockt.Dabei entfielen 400 Mill.DM auch auf das Kreditgeschäft in Ostdeutschland, wo die Bank derzeit kritische Engagements genau überprüft.Im Firmenkundenbereich, wo der Gewinn vor Steuern um fast 20 Prozent auf 629 Mill.DM abrutschte, hat sich die Bank von mehreren leitenden Mitarbeitern getrennt.In Lateinamerika und in Asien wurde das Kreditvolumen um rund 2,3 Mrd.DM reduziert, in den USA und in Asien wurden nicht profitable Handelsaktivitäten aufgegeben.Unter dem Strich mußte sich die Bank für 1998 mit einem Gewinn vor Steuern von 2,616 Mrd.DM zufrieden geben, 6,8 Prozent weniger als im Jahr zuvor.Weil die Steuerlast um mehr als die Hälfte auf 758 Mill.DM schrumpfte, erreichte der Gewinn nach Steuern bei einem Plus von 55 Prozent allerdings den neuen Rekordwert von 1,858 Mrd.DM.Trotzdem bleibt die Dividende mit 1,55 DM auf Vorjahreshöhe.Um die Kapitalbasis zu stärken will der Konzern stille Beteiligungen bis zu 2,8 Mrd.DM ausgeben.

Im laufenden Jahr und in den folgenden Jahren will die Dresdner Bank nach den Worten von Walter das Vertriebsnetz im "Heimatmarkt" Euroland "sehr viel enger" knüpfen und die Präsens in Nordamerika weiter verstärken.Das soll sowohl durch den Ausbau eigener Aktivitäten als auch durch Akquisitionen geschehen."Wir sind konkret unterwegs", sagte Walter ohne Einzelheiten zu nennen.Gleichzeitig will die Bank auch nicht rentable Aktivitäten aufgeben."Es gibt keine heiligen Kühe.Alles steht auf dem Prüfstand."

Für 1999 ist Walter optimistisch, nachdem die ersten beiden Monate vielsprechende Ergebnisse gebracht hätten.Der Provisionsüberschuß sei um 16 Prozent, das Handelsergebnis sogar um 128 Prozent gestiegen.Walter rechnet im eigentlichen Bankgeschäft schon jetzt mit einem höheren Ergebnis als 1998.

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