• Die Einkaufsmacht bei Sport- und Filmrechten kommt einem Monopol gleich, befürchtet ARD-Vorsitzender Voß

Wirtschaft : Die Einkaufsmacht bei Sport- und Filmrechten kommt einem Monopol gleich, befürchtet ARD-Vorsitzender Voß

Matthias Hochstätter

Der Einstieg Murdochs bei Kirchs Abo-Sender lässt auch die unternehmerische Führung der Kirch-Gruppe nicht unberührt. Der stellvertretende Vorsitzende der Kirch-Gruppe in München, Dieter Hahn, bestreitet dies zwar, doch BSkyB wird zwei Mitglieder des sechsköpfigen Aufsichtsrats bei der Kirch PayTV stellen und verfügt über einige Veto-Rechte. "Die üblichen Minderheiten-Schutzrechte", winkt Hahn ab. Tatsache ist, dass BSkyB bei Einzelgeschäften über 25 Millionen Mark und bei Transaktionen, die pro Jahr 75 Millionen Mark überschreiten, zustimmen muss. Auch den Kauf teurer Sportrechte muss BSkyB abnicken.

Murdoch hat sich auch ein Hintertürchen offen gelassen: Der "sehr konservative Business-Plan" (Hahn) erlaubt BSkyB den Rückzug aus dem deutschen Bezahl-Fernsehen, wenn der Geschäftsverlauf stark von den gemeinsamen Vorstellungen abweichen sollte. Etwa, wenn Premiere World bis Ende 2000 seine geplanten 2,9 Millionen Abos nicht verkauft. Derzeit gibt es in Deutschland erst rund zwei Millionen Abonnenten. Bis Ende 2002 wünscht sich Kirch PayTV gut vier Millionen. Weichen Einnahmen und Abo-Zahlen mehr als 20 Prozent vom Business-Plan ab, kann Murdoch sein Geld wieder mitnehmen. Weigert sich Kirch auszuzahlen, kann BSkyB 51 Prozent an Kirch PayTV übernehmen. Drei Monate dauerten die schwierigen Verhandlungen bis die Verträge am Wochenende unterzeichnet wurden.

Jetzt bekommt Kirch seine dringend benötigte Finanzspritze. Seinem Pay-TV-Sender Premiere World wäre sonst womöglich bald die Luft ausgegangen. Auch die Bayerische Landesbank atmet auf: Sie hatte für den Auskauf von Bertelsmann bei Premiere mit 1,6 Milliarden Mark gebürgt. Den Großteil der Bürgschaft, den sie schon ausbezahlt hatte, will Kirch bald zurückgeben. Die Anlaufverluste bei Kirch PayTV betragen 4,9 Milliarden Mark. Weitere 2,1 Milliarden will Kirch noch bis zum Break-even investieren. Der wird von Hahn Ende 2002 erwartet. Dafür stockt Kirch das Eigenkapital der Pay-TV-Tochter nochmals um eine Milliarde auf vier Milliarden Mark auf. Dann soll Kirch PayTV 2003 fit für die Börse sein. Zwischenfinanzierung und Umschuldung laufen über ein Konsortium unter Führung von Chase Manhattan und der Deutschen Bank, die über vier Milliarden Mark bereitstellen sollen.

Im Gegensatz zu England oder Frankreich, wo jeweils über sieben Millionen Abos verkauft wurden, ist Deutschland beim Pay-TV noch Entwicklungsland. Grund dafür ist das reichhaltige Free-TV-Angebot. Als sich Canal Plus und Bertelsmann 1997 beziehungsweise 1999 aus dem 1991 an den Start gegangenen Abo-Sender Premiere zurückgezogen hatten, saß Leo Kirch alleine auf seinem Schuldenberg und hatte auch noch seinen eigenen Bezahl-Kanal DF1 am Hals. Die beiden Sender wurden im Herbst 1999 unter dem Dach der Kirch PayTV zu Premiere World vereint.

"Das Wichtigste für Premiere World ist die Fußball-Bundesliga", so Hahn. Doch mit Murdoch als Partner lockt auch die Champions-League. Die Rechte hierfür liegen beim Frauensender TM3, an dem Murdoch 66 Prozent der Anteile hält. "Die Champions-League funktioniert im Free-TV nicht", sagte Hahn und: "Das ist ein interessantes Produkt, dass ins Pay-TV gehört." Inzwischen spricht der ARD-Vorsitzende Peter Voß von einem "Dammbruch in der Rundfunklandschaft". Die Einkaufsmacht von Kirch und Murdoch bei den Film- und Sportrechten entspreche einem Monopol. Dieser Aspekt wird auch die EU-Wettbewerbshüter interessieren, denn sie müssen die Allianz von Kirch und Murdoch noch absegnen.

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