Wirtschaft : "Die Entscheidung ist falsch und kommt zu früh" - Martina Ohm sprach mit Klaus Zimmermann

Herr Zimmermann[ist die Zinserhöhung gut ode]

Zum Jahreswechsel wird Klaus F. Zimmermann Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Zurzeit leitet er als Direktor das Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit in Bonn; eine Aufgabe, die er neben seinem neuen Job beibehalten wird. Wie ordnet er die Zinserhöhung ein?

Herr Zimmermann, ist die Zinserhöhung gut oder schlecht?

Sie ist unspektakulär, aber problematisch. Sie kommt ein halbes Jahr zu früh und ist ein falsches Signal.

Die Konjunkturprognosen geben lebhafteres Wachstum zu erkennen. Da passen höhere Zinsen doch in die Landschaft.

Ich sehe nur eine leichte Belebung der Konjunktur in Europa. Die Lage in Deutschland würde ich eher als labil bezeichnen.

Heißt das, die EZB soll Konjunkturpolitik betreiben?

Sie sollte die gesamtwirtschaftliche Lage im Auge behalten, vor allem dann, wenn keinerlei Inflationsgefahr besteht.

Sie erkennen keinerlei Vorteile?

Immerhin hat die EZB gezeigt, dass sie wie die Bundesbank in der Lage ist, einen harten monetären Kurs zu fahren.

Einen zu harten Kurs?

Eindeutig. Die Gefahr besteht, dass der Aufschwung abgewürgt wird.

Wieviele Arbeitsplätze kostet uns die Zinsentscheidung?

Höhere Zinsen schaffen keinen zusätzlichen Arbeitsplatz. Und die 50 000 bis 100 000 neue Jobs, die wir für 2000 erwartet haben, dürften es auch nicht mehr werden.

Und wieviel muss Hans Eichel nun drauflegen?

Der Zinsdienst kann sich geringfügig verteuern. Die kurzfristige Verschuldung des Bundes ist aber relativ niedrig. Sehr viel teurer wird es für den Bundesfinanzminister also nicht. Es gibt aber ein anderes Problem: Der Druck zum Sparen wird nachlassen. Man wird schon bald hören, dass sich der Bund großzügiger verhalten soll. Nach dem Motto: Weniger sparen, der Konjunktur zuliebe.

0 Kommentare

Neuester Kommentar