Wirtschaft : „Die Erbschaftsteuer muss erhöht werden“ DIW fordert gleiche Chancen

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GERT G. WAGNER

lehrt an der TU Berlin Volkswirtschaftslehre und ist Forschungsdirektor am

Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Foto: Thilo Rückeis

Herr Wagner, die Deutschen haben 3,7 Billionen Euro zurückgelegt. Wäre damit der Konsum nicht anzukurbeln?

Nein. Das meiste Vermögen ist ja nicht verfügbar, sondern steckt im Wirtschaftskreislauf.

Ein erheblicher Teil der Ersparnisse liegt auf Sparbüchern. Die lassen sich schnell auflösen.

Aber warum? Man kann den Leuten ja nicht einfach andere Verhaltensweisen vorschreiben oder einreden, sondern man muss ihnen andere Rahmenbedingungen bieten.

Ist das Angstsparen so bedeutsam?

Es ist ja nicht alles Angstsparen. Wenn man den Menschen Jahre lang rät, privat für das Alter vorzusorgen, dann darf man sich nicht wundern, wenn sie es auch tun – wenn auch nicht mit der Riester-Rente. Hinzu kommt: Wer Angst hat, dass er künftig weniger in der Tasche hat, spart einen Notgroschen an.

Wie viele Haushalte wären denn überhaupt in der Lage, mehr auszugeben?

Fast alle Rentner könnten mehr ausgeben.

Und warum tun sie es nicht?

Weil viele, vor allem auch wohlhabendere Senioren, Konsumverzicht im Hinblick auf ihre Kinder und Enkel üben. Da fließen in den oberen Einkommensgruppen einige hundert Euro pro Monat an die Nachkommen. Das kommt im Übrigen dem Konsum zugute.

Werden die Erben das Geld ausgeben?

Das ist nicht gut untersucht und schwer vorherzusagen. Beim Vererben kommt ja häufig Geld zu Geld. Und da Haushalte mit höherem Einkommen im Schnitt mehr sparen, steigt die Sparquote der Erben im Zweifel sogar an.

Wo könnte der Staat zugreifen?

Nicht nur wegen der Abgabengerechtigkeit, sondern auch mit Blick auf gleiche Startchancen sollte man die Erbschaftsteuer erhöhen. Eine DIW-Umfrage zeigt, dass es eine Mehrheit der Bevölkerung extrem ungerecht findet, wenn Kinder wohlhabender Eltern einen Startvorteil haben gegenüber Kindern, die nicht vermögend zur Welt kommen.

Das Interview führte Henrik Mortsiefer.

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