Wirtschaft : Die Erfolgsgeschichte einer Börse - Für Hochtechnologiewerte der wichtigste Markt der Welt

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Die US-Börse Nasdaq hält die Anleger bereits seit Tagen in Atem, stürzen dort die Technologiewerte ab, droht Ungemach zunächst für die asiatischen Börsen aber auch für die europäischen Märkte. Am Mittwoch war es wieder einmal so weit. Der Index der 100 wichtigsten Nasdaq-Werte, der Nasdaq-Composite gab auf 3877,54 Punkte nach, versetzte den Rest der Welt in Aufregung, und führte zu Schwächeanfällen der übrigen Börsen. Doch nicht nur mit ihren Kursgewinnen oder -verlusten macht die Nasdaq nun Schlagzeilen, auch die Absicht der dort handelnden Makler, sich von einem Großteil ihrer Anteile an der Börse zu trennen, ging am Mittwoch um die Welt.

Die US-Technologiebörse, wie sie oft vereinfachend genannt wird, handelt keineswegs nur mit Technologiewerten. Die Palette der dort gehandelten Werte ist schon eher mit denen am deutschen Neuen Markt in Frankfurt (Main) vergleichbar. Für eben dieses Marktsegment stand die Nasdaq auch Pate. Allerdings werden an ihr alle Aktien über ein Computernetzwerk elektronisch gehandelt. Seit ihrer Gründung 1971 hat die Nasdaq einen unvergleichlichen Aufschwung erlebt. Zeitweise wurden über 5500 Unternehmen, darunter die bekanntesten Computer- und Softeware-Firmen wie Microsoft, Intel, Sun Microsystems, Oracle und Dell Computer, an der Börse notiert. Heute ist die Nasdaq hinter der New York Stock Exchange (Nyse) der Wall Street, der sie heftige Konkurrenz macht, der zweitgrößte Wertpapiermarkt der Welt. Bei den Hochtechnologiewerten ist sie sogar weltweit führend. Notiert werden auch deutsche Titel, darunter die Papiere der Berliner Trion.

Die Kursentwicklung an der Nasdaq ist beeindruckend. Der Nasdaq-Composite hat 1998 rund 75 Prozent zugelegt und im vergangenen Jahr waren es erneut fast 86 Prozent. Allein 1998 feierten 273 Gesellschaften ihre Premiere an der Computerbörse, im vergangenen Jahr war die Zahl der Delistings dann allerdings größer, so dass Ende des dritten Quartals nur noch knapp 4900 Unternehmen gezählt wurden.

Aber es gibt auch Schattenseiten. Nach dem Boom in den achtziger Jahren wurden Vorwürfe wegen Preisabsprachen laut, die nur mit einem teuren Vergleich aus der Welt geschafft werden konnten. Und allein 1998 mußten 118 Nasdaq-Firmen Konkurs anmelden. Und - ähnlich wie am Neuen Markt - viele Nasdaq-Unternehmen schreiben rote Zahlen.

Doch die Strategie der Nasdaq lautet nach wie vor Expansion. Deshalb auch der geplante Verkauf, der rund eine Milliarde Dollar bringen soll. Dieser Betrag soll in die technische Ausstattung reinvestiert werden. Der Blick der Amerikaner ist dabei nicht zuletzt auf Europa gerichtet. Mit der Deutsche Börse AG wurden bereits Gespräche über eine Zusammenarbeit geführt, die allerdings kein Ergebnis brachten. Die Pläne für Nasdaq Europe sind da schon sehr viel konkreter. Noch in diesem Jahr will die US-Nasdaq gemeinsam mit der Nasdaq-Börse in Japan einen europäischen Börsenplatz gründen. Damit soll ein weltweiter Aktienhandel auf der Basis des Internets möglich sein. Schon im vierten Quartal 2000 soll in London der Handel aufgenommen werden. Die europäischen Börsen werden sich auf einen scharfen Wind einstellen müssen.

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