Wirtschaft : Die Erfolgsstory der Allianz steht noch aus

Dieter Fockenbrock

Europas größter Finanzkonzern gibt sich erstaunlich zuversichtlich. Für das laufende Geschäftsjahr sagt Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle schon jetzt ein Ergebnis von gut drei Milliarden Euro voraus. Damit wäre die Gewinndelle des Vorjahres mehr als ausgebügelt. Und wer die konservative Politik des Hauses kennt, der weiß: Schulte-Noelle hat nur das Mindestziel vorgegeben. Die Terroranschläge in New York belasteten den Versicherungsriesen aus München mit 1,5 Milliarden Euro - netto gerechnet. Mit der Bilanz 2001 ist das Kapitel abgeschlossen.

So könnten die Münchener zur Tagesordnung übergehen? Keineswegs. Schließlich gab Schulte-Noelle erst vor knapp einem Jahr den Startschuss für ein ehrgeiziges Projekt, das seinen Konzern weitaus länger und intensiver beschäftigen wird als die Folgen der Terroraktion in den USA. Mit Übernahme der Dresdner Bank stürzte er sich in ein Abenteuer. Eine Bank und eine Versicherung sollen unter (s)einem Dach vereint werden.

Noch läuft der Zusammenschluss relativ lautlos, doch es hakt im Räderwerk. So haben die Versicherer HUK Coburg oder Arag Allgemeine Versicherungs-AG ihrer Dresdner Bank die Treue aufgekündigt. Ihr Geld lassen sie nun von anderen Banken managen. Schließlich haben sie kein Interesse daran, dass ihnen die Allianz via Dresdner nun in die Karten schaut. Ein Zehntel des Spezialfondsvermögens der Dresdner Bank ist inzwischen zu Wettbewerbern abgewandert - rund vier Milliarden Euro. Das war zu erwarten. Sprengstoff liegt eher in den unterschiedlichen Unternehmenskulturen von Bank und Versicherung. Denn erst jetzt läuft die Integration der beiden Finanzhäuser richtig an. Die Erfolgsstory des Allfinanzkonzerns Allianz steht noch aus.

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