Wirtschaft : Die EU prüft mögliche Importerleichterung für "Dollarbananen"

Unter dem Druck von Strafzöllen der USA will die EU-Kommission an diesem Mittwoch neue Einfuhrregeln für Bananen in die Europäische Union vorschlagen. Geplant ist die Umstellung des Quotensystems auf ein reines Zollsystem, bestätigten EU-Diplomaten am Dienstag in Brüssel. Dafür ist eine Übergangsfrist von mehreren Jahren vorgesehen, die spätestens am 1. Januar 2005 enden soll. Während dieses Zeitraums sollen die Einfuhrregeln bereits so verändert werden, dass der Handel mit "Dollarbananen" aus Mittel- und Lateinamerika in der Europäischen Union erleichtert wird.

Die USA hatten wiederholt vor der Welthandelsorganisation WTO gegen die Benachteiligung von Bananenausfuhren von US-Unternehmen in die EU geklagt. Nachdem die WTO im Frühjahr geänderte Einfuhrregeln erneut verworfen hatte, war eine Reform der umstrittenen EU-Bananenmarktordnung von 1993 notwendig geworden. Gleichzeitig billigte die WTO den USA zu, jährlich auf EU-Waren im Gesamtwert von 191 Millionen Dollar (rund 350 Millionen Mark) Strafzölle von 100 Prozent zu erheben. Bisher dürfen nur 2,5 Millionen Tonnen Dollarbananen, die von US-Firmen in Mittel- und Lateinamerika angebaut werden, zu einem günstigen Zollsatz von 75 Dollar pro Tonne in die EU eingeführt werden. Für dieses Kontingent werden die Importlizenzen unter verschiedenen Händlern aufgeteilt.

Wie das begehrte Dollarbananen-Kontingent künftig aufgeteilt werden soll, lässt die EU-Kommission den Angaben zufolge offen. Als Möglichkeiten werden Verhandlungen mit den Lieferländern über die Quotenverteilung oder ein so genanntes Windhundverfahren genannt. Das bedeutet, dass die Bananen, die zuerst in der EU angelandet werden, als erste auf die Quote angerechnet werden. Sobald das Kontingent erschöpft ist, müssen höhere Zölle entrichtet werden. Importeure halten dieses Regelung allerdings wegen der schlechten Lagerfähigkeit der Früchte für problematisch.

Nach der Übergangszeit soll es für die Einfuhren von Dollarbananen einen einheitlichen Zollsatz geben. Zur Höhe macht die EU-Kommission aber noch keine Angaben. Während Importeure von Dollarbananen an einem möglichst niedrigen Zollsatz interessiert sind, verlangen Händler von Bananen aus den afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten (AKP) möglichst hohe Zölle dafür. Derzeit dürfen aus den AKP-Staaten, unter denen viele ehemalige Kolonien von EU-Ländern sind, 850 000 Tonnen Bananen zollfrei importiert werden.

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