Wirtschaft : Die EU-Staaten wollen dieses Ziel mit einer Selbst-Verpflichtung bis 2003 erreichen

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Wenn rot-grüne Regierungsvertreter nach einem Jahr Reformpolitik Bilanz ziehen, fällt diese meist kleinlaut aus. Bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit ist das anders. "Das Sofortprogramm der Bundesregierung", sagt der sozialpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Adi Ostertag, "ist eine Erfolgsgeschichte, die uns so keiner zugetraut hätte." Auf der Fachtagung "Strategien zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa" zu der Senat, die Friedrich-Ebert- und die Freudenberg-Stiftung geladen hatten, konnte Ostertag die neusten Zahlen des Beschäftigungsprogramms präsentieren. 188 000 arbeitslose Jugendlichen unter 25 Jahren haben über das Jump-Programm Ausbildung oder Beschäftigung gefunden. "Da nimmt Deutschland in Europa einen Spitzenplatz ein", sagt Ostertag stolz.

Dabei geht es um mehr als Zahlen. "Jugendliche müssen Selbstwertgefühl erlangen", fordert Professor Lothar Böhnisch von der Universität Dresden. "Das geht nur über Arbeit und nicht über Konsum", sagt der Pädagoge. Deshalb stehe die Gesellschaft in der Pflicht, Jugendlichen eine Ausbildung zu ermöglichen, auch wenn der erste Versuch fehlgeschlagen sei.

Das ist auch bitter nötig, denn die Situation auf dem Arbeits- un Ausbildungsmarkt bleibt brenzlig. Obwohl die Konjunktur in Deutschland anzieht, reichen die von der Wirtschaft angebotenen Lehrstellen nicht aus. Insbesondere schwer vermittelbare Jugendliche ohne Hauptschulabschluss stünden ohne das Sofortprogramm schnell auf der Straße. Zudem steht die Bundesregierung in der Pflicht. Denn im Amsterdamer Vertrag haben sich alle Staaten der Europäischen Union verpflichtet, ab 2003 jedem Jugendlichen, der länger als sechs Monate arbeitslos ist, einen Job oder eine Ausbildung anzubieten.

Die Chancen für Jugendliche in Europa sind ungleich verteilt. Während in Schweden oder Österreich das Problem praktisch gelöst ist, haben vor allem die Südländer große Probleme bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. In Spanien sind fast 40 Prozent der Jugendlichen unter 25 ohne Job, in Süditalien fast 70 Prozent. Auch die Strategien sind unterschiedlich: So will Frankreich 350 000 neue Jobs im Dienstleistungsbereich fördern und damit jedem Jugendlichen eine Stelle garantieren. Großbritannien geht einen anderen Weg. Wer auf der Insel längere Zeit arbeitslos ist und drei Angebote ausschlägt, bekommt kein Geld mehr vom Staat. Davon will Adi Ostertag nichts wissen. "Daumenschrauben wie in Großbritannien nützen nichts, solange die Ausbildungsplätze nicht da sind" sagt er. Und die fehlen, trotz der schönen Statistik, vor allem in der Informationstechnologie. 14 000 IT-Lehrstellen werden zur Zeit in Deutschland angeboten, viel zu wenig, wie Osterfeld einräumt. "Wir wollen in drei Jahren 40 000 in diesem Bereich haben", kündigt er an. Viel Arbeit für die Bundesregierung, die in zwei Wochen über die Fortführung des Sofortprogramms beraten wird. Trotz Sparpaket ist sich Osterfeld aber sicher: "Bei Jump wird es keine Abstriche geben".

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