Wirtschaft : Die Euphorie ist völlig verflogen

Börsen starten in eine unsichere Woche / Auf und Ab der Kurse wird weitergehen

FRANKFURT (MAIN) (ro).Zumindest an der Frankfurter Börse, an den Börsen in Hongkong, Singapur und Tokio und auch an der Wall Street endete die turbulenteste Woche dieses Jahres am Freitag einigermaßen versöhnlich.Leichtes Aufatmen war angesagt, auch wenn jedem Börsianer klar ist, daß die Krise längst nicht ausgestanden ist."Es kann noch weiter nach unten gehen, ein mehr oder weniger ständiges Auf und Ab ist vorgezeichnet", sagen viele Beobachter.Der Dax schloß am Freitag im Präsenzhandel mit 3726,69 Punkten und damit nur 0,71 Punkte unter dem Endstand von Donnerstag.In Tokio ging es um 0,6 Prozent auf 16 458,94 Punkte nach oben, in Singapur sogar um 2,9 Prozent auf 1586,07 Punkte.Der Hang Seng in Hongkong verbesserte sich um 2,5 Prozent auf 10 623,78 Punkte.Und an der Wall Street ging es nach Analysen über eine wieder positivere Entwicklung in Lateinamerika auch wieder aufwärts.Um gut 60 Punkte oder 0,8 Prozent kletterte der Dow Jones, auf 7442,41 Punkte. Vor gut einer Woche sah es an den Weltbörsen noch erheblich freundlicher aus, auch wenn damals schon allen klar war, daß die Krise in Asien möglicherweise kein regionales Ereignis bleiben würde.Letztlich verwunderte es niemanden, daß die Talfahrt am vergangenen Montag in rasantem Tempo begann.In Hongkong ging es um fast sechs Prozent nach unten, in Frankfurt um mehr als vier Prozent.Am schlimmsten erwischte es an diesem Montag die New Yorker Börse: Der Dow Jones rutschte um 554 Punkte auf 7161,15 Punkte ab.Das war der schwerste Punkteverlust, der je an der Wall Street registriert wurde.Es war so schlimm, daß die Börse den Handel stoppte und gleich nach der Wiederaufnahme ganz aussetzte, weil die Talfahrt weitergegangen war.Dieser Kurssturz war das Signal für Europa und Asien am nächsten Tag: Es wurde zwar kein schwarzer, aber ein düsterer Dienstag mit hektischen Verkäufen. Daß es am Mittwoch wieder deutlich nach oben ging und auch der Donnerstag und Freitag keine nachhaltigen Kursverluste gebracht haben, ist Börsianern nur ein schwacher Trost.Innerhalb weniger Tage hat sich die Stimmung gedreht, auch wenn am Freitag schon wieder positivere Stimmen zu hören waren.Aber von der Euphorie, die den Dax bis Ende Juli auf über 4400 Punkte gehoben hatte, ist nichts mehr zu spüren.Deutsche Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer warnte dieser Tage vor einem "Dominoeffekt". Mit 3800 oder 3900 Punkten zum Jahresende wären die meisten Börsianer zufrieden."Die Unsicherheit bleibt", sagt Christoph Arzt, Chefaktienhändler der BHF- Bank.Sie bleibe nicht nur wegen der Lage in Südostasien, sondern auch wegen der negativen Entwicklung in Lateinamerika.Auch der Dollar macht den Händlern Sorgen.Er hat in der vergangenen Woche einiges an Wert verloren.Das macht Produkte deutscher Firmen im Ausland teurer und den Verkauf schwieriger.Die Geschäfte deutscher Firma in Asien werden ohnehin in Zukunft nicht leichter.Rutscht die US-Währung unter 1,70 DM, könnte es gefährlich werden, meint Michael Klein vom Bankhaus Delbrück.Immerhin: Am Freitag abend legte der Dollar in New York leicht zu. Aber auch hierzulande ist das Umfeld nicht mehr so intakt.Zwar sind Inflation und Zinsen niedrig und die Konjunktur läuft besser.Aber mit der geplanten Erhöhung des Beitragssatzes zur Rentenversicherung auf 21 Prozent und der Anhebung der Mehrwertsteuer auf 16 Prozent sieht nicht nur BHF-Banker Arzt eine neue Belastung auf den Standort Deutschland zukommen. Die Privatanleger sollten abwarten und keinesfalls in Panik ausbrechen, betonen Arzt und Klein.Sie sollten sich so verhalten wie am "düsteren" Dienstag vergangener Woche.Nicht verkaufen, sondern niedrigere Kurse zum Kauf solider Aktien nutzen.Und bei alledem sollten sie, sagt BHF-Aktienhändler Arzt nicht vergessen, daß sich die Kurse im Vergleich zum Jahresanfang immer noch auf einem stattlichen Niveau befinden.Anfang Januar lag der Dax bei 2888,69 Punkten.Am Freitag war er trotz der Krisenwoche immer noch mit fast 850 Punkten im Plus.Steigt er bis zum Jahresende auf 3900, was Klein und Arzt nicht ausschließen, wäre das ein Plus von 35 Prozent.Und das wäre immer noch das zweitbeste Börsenjahr nach 1993.Damals hatte der Dax um 45 Prozent zugelegt.

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