Wirtschaft : Die Euro-Indizes geben den Aktien einen neuen Kick

Auch die Börsen richten sich auf die Europäische Währungsunion ein.Vom 26.Februar an wird es deshalb erstmals neue Indizes für die europäische Börsenlandschaft geben.Die beiden wichtigsten sind der Dow Jones Euro Stoxx 50 und der Dow Jones Stoxx 50.Über Bedeutung und Auswirkung der in dieser Woche vorgestellten Indizes sprach unser Frankfurter Korrespondent Rolf Obertreis mit Günter Burgold, Chef-Aktienhändler der BHF Bank. TAGESSPIEGEL: Welche Bedeutung haben die neuen Indizes Euro Stoxx 50 und Stoxx 50 für die Börse? BURGOLD: Diese beiden Indizes werden mittelfristig für Europa den Stellenwert erreichen, den heute der Dax für den deutschen oder der CAC für den französischen Aktienmarkt haben.Oder anders gesagt: Die beiden Indizes werden so wichtig wie alle derzeit führenden Indizes, die unterlegt sind mit Derivaten wie Futures.Sie sind eine wichtige Basis für das spätere europäische Geschäft.Außerdem sind die Indizes und die vertretenen Gesellschaften Maßstab für Kapitalsammelstellen, etwa Investmentfonds.Deren Manager werden die Werte später entsprechend ihrer Gewichtung im Stoxx auch in ihren Portfolios berücksichtigen.Das heißt aber nicht, daß sich jetzt gleich alle Fondsmanager auf diese Aktien stürzen. TAGESSPIEGEL:Ist der deutsche Aktienmarkt in den Indizes angemessen berücksichtigt? BURGOLD:Ja.Man muß dies auch mit Blick auf einzelne Branchen betrachten.In einigen Bereichen sind deutsche Unternehmen stärker, in anderen Bereichen Gesellschaften aus anderen Ländern.So gesehen, ist Deutschland im Euro Stoxx und im Stoxx 50 angemessen vertreten.Es geht hier nicht nur um nationale Aspekte, sondern um Europa. TAGESSPIEGEL:Sind die "richtigen" Gesellschaften aus Deutschland berücksichtigt worden? BURGOLD:Auch da stimmen die beiden neuen Indizes.Natürlich könnten es mehr deutsche Werte sein.Natürlich kann man sich fragen, warum BASF oder Hoechst fehlen, wenn doch Bayer dabei ist.Oder warum mit SAP nicht der einzige große deutsche Software- und Technologie-Wert vertreten ist.Aber dafür gibt es Gründe.Es geht nicht darum, daß man diese Firmen nicht mag.Aber bei ihnen ist das frei verfügbare, handelbare Kapital zu klein, ein zu großer Teil der Aktien ist in festen Händen.In jedem Index, egal ob national oder international, sollten sich Werte finden, bei denen die Menge der nicht fest bei Aktionären gebundenen Aktien möglichst groß ist, um einen regen Handel zu gewährleisten.100 Prozent ungebundenes Kapital wäre am besten. TAGESSPIEGEL:Welche Bedeutung hat es etwa für die Lufthansa, Allianz oder für die Deutsche Bank, wenn sie im Stoxx Platz gefunden haben? BURGOLD:Wenn diese Indizes in Zukunft als führender Maßstab für ein europäisches Aktienportefeuille dienen, dann ist es natürlich hervorragend, wenn eine Gesellschaft dabei ist.Denn die Manager der großen Fonds werden und müssen diese Werte in ihre Überlegungen einbeziehen.Wenn etwa Lufthansa-Papiere heute in einem Portfolio weniger stark vertreten ist als im künftigen Stoxx, muß der Fondsmanager zukaufen.Das kann dem Kurs der Aktie nur guttun. TAGESSPIEGEL:Das heißt, daß die Gesellschaft, die keine Berücksichtigung gefunden hat, benachteiligt ist. BURGOLD: Nicht unbedingt.Aber ein solcher Wert hat natürlich nicht den zusätzlichen Kick, den die Berücksichtigung in einem der neuen Euro-Indizes bringt.Dies als Nachteil zu bezeichnen, ginge zu weit. TAGESSPIEGEL:Wird der Dax an Bedeutung verlieren? BURGOLD:Auf sehr lange Sicht ja.Aber bis man sich an den Börsen an Europa gewöhnt hat, und dies fängt erst 1999 an, wird noch einige Zeit ins Land gehen.Zwei bis drei Jahre bestimmt.Solange wird man lieber auf die nationalen Indizes schauen. TAGESSPIEGEL:Und der Privatanleger.Soll er sich in Zukunft mehr am Stoxx als am Dax orientieren? BURGOLD: Der Dax bleibt vorerst entscheidend.Aber die beiden Stoxx-Indizes bieten natürlich zusätzliche Informationen für seine Anlageentscheidungen.

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