Wirtschaft : Die europäische Währung ist auf dem drittniedrigsten Preis seit ihrer Einführung angekommen

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Euro-Skeptiker fühlen sich bestätigtbf/jhw

Der Euro wird immer billiger. Am Donnerstag notierte er zum drittniedrigsten Kurs seiner fast elfmonatigen Geschichte. Die Europäische Zentralbank ermittelte einen Referenzkurs von 1,0194 US-Dollar. Anschließend fiel der Kurs am Devisenmarkt weiter. Der Dollar dagegen wird immer teurer: Er kostete jetzt 1,9186 Mark. Das Rekordtief von 1,0124 Dollar gab es am 12. Juli. Seinerzeit fühlten sich all jene Euro-Skeptiker bestätigt, die vor dem Start der Europäischen Währungsunion gewarnt hatten. Die Parität - ein Tauschverhältnis zwischen Euro und Dollar von 1 : 1 galt gemeinhin als Vertrauensentzug für Euroland, denn immerhin begann die Historie des Euro am 4. Januar dieses Jahres mit einem Kurs von 1,1789 Dollar.

Jetzt steuert der Kurs der europäischen Einheitswährung nach einer zwischenzeitlichen Erholung schon wieder auf die Parität zum Dollar zu. Aber niemand regt sich besonders auf. Händler beruhigen, die aktuelle Schwäche sei nicht mit den fundamentalen Wirtschaftsdaten zu erklären. "So kurz vor Jahresende zeigt sich der Markt sehr ausgedünnt", heißt es. Mit dem Näherrücken des Jahres 2000 ziehen sich immer mehr Akteure aus dem Markt zurück. Das führt zu einem regelrechten Jo-Jo der Devisenkurse. Im Oktober zeigte sich der Euro mit 1,09 Dollar noch und wieder relativ stark. Jetzt bewegen schon kleine Käufe und Verkäufe den Kurs kräftiger als bisher.

Die neue Währung wird nicht mehr prinzipiell in Frage gestellt. Sie ist ein Faktum wie der Yen und der Dollar. Man hat sich offenbar daran gewöhnt, sie als eine normale Währung wie einst die D-Mark anzusehen. Die durften schwanken, ohne dass die Kursbewegungen stets als Indiz für innere Stärke oder Schwäche gedeutet werden konnten. Im Sommer sah das anders aus. Als der Euro nach seinem fulminanten Start in wenigen Monaten fast ein Sechstel seines Wertes verlor, hatten die Euroskeptiker "es schon immer gewusst", dass es mit der neuen Währung ein jähes, schnelles Ende nehmen werde. Die Euro-Protagonisten hingegen waren damals in einiger Verlegenheit, mit mittel- bis langfristigen fundamentalen Perspektiven die Euroschwäche als Intermezzo zu verniedlichen.

Inzwischen gewinnt der Wirtschaftsaufschwung in den Kernländern des Eurogebiets langsam an Fahrt. Zudem ist es eher der Dollar, der unter Druck geraten könnte. Grund dafür ist das hohe und wachsende Defizit in der amerikanischen Leistungsbilanz. Dem stehen hohe Überschüsse in Europa gegenüber - mit der Konsequenz, dass der Euro sich tendenziell verteuern und der Dollar verbilligen dürfte. Fraglich ist nur, wann es passiert. Sobald die Akteure an den Finanzmärkten die Risiken des amerikanischen Fehlbetrages neu bewerten und nicht weiter verharmlosen, könnte der Dollar gewaltig einbrechen. Kein Wunder, dass viele Ökonomen und Analysten eine kräftige Aufwertung des Euros in den kommenden Monaten erwarten - wenn die Konjunktur auf Erholungskurs bleibt, vor allem in Deutschland, wo die Wirtschaftsforscher mit einem Plus von 2,7 Prozent im kommenden Jahr rechnen.

Skeptiker wenden ein, solche Sprüche habe man in diesem Jahr schon oft gehört. Nur seien die Finanzmärkte nicht geneigt, auf die Fundamental-Analysten zu hören. Manchen Marktteilnehmern ist Europa immer noch zu verkrustet, der konjunkturelle Aufschwung keineswegs stabil. Die Europäische Zentralbank hält sich angesichts des Kursverfalls auffällig bedeckt. Sie wird im Falle eines Falles den Euro nicht vor einem Rutsch unter die Dollarparität bewahren. Schließlich verbilligt ein niedriger Eurokurs die Waren der exportintensiven Industrie auf den ausländischen Absatzmärkten - und stärkt somit den Aufschwung in Euroland.

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