Wirtschaft : Die Expansion hat erst begonnen

US-Konzern Southern sieht Bewag-Beteiligung als Sprungbrett in andere Länder BERLIN.Seit Ende September hält der größte Energiekonzern der USA, die Southern Comnpany mit Sitz in Atlanta, 26 Prozent der Anteile am Berliner Energieversorger Berliner Kraft- und Licht (Bewag)-AG.Das soll auch noch lange so bleiben: Die Amerikaner sehen die Investition als strategisches Engagement und wollen von der Hauptstadt aus neue Märkte in Deutschland und Europa erschließen, etwa Osteuropa und Skandinavien.Das jedenfalls bekräftigte Bill Dahlberg, Präsident von Southern, am Montag anläßlich seines ersten Besuchs in Berlin in einem Gespräch mit Handelsblatt und Tagesspiegel. Das 830 Mill.DM teure Berlin-Engagement, so Dahlberg, sei gleichzeitig der Auftakt und eine Basis für die weiteren Expansionspläne der Amerikaner in Deutschland und in Europa.Erste Priorität habe aber zunächst die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Berliner Kraft- und Licht (Bewag)-AG.Das Unternehmen müsse sich auf die anstehende Liberalisierung der Energiemärkte vorbereiten und sich noch stärker am Kundennutzen orientieren.Dabei habe Southern auch keine Ängste vor Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften, sagte Dahlberg.Southern wolle mit den Arbeitnehmer-Vertretern intensiv zusammenarbeiten, wenn voraussichtlich auch nicht alles harmonisch ablaufen werde, so der Southern-Chef. Die Bewag will bis zum Jahr 2002 bekanntlich die Zahl der Mitarbeiter von heute über 9500 auf 7334 zurückführen und dabei auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten.Ende September hatte der Berliner Senat die Bewag vollständig privatisiert.Seitdem hält Southern 26 Prozent der Anteile, weitere 26 Prozent liegen bei Viag/Bayernwerk und 23 Prozent bei Preussen Elektra.Die restlichen 25 Prozent befindet sich in Streubesitz.Bei den Stimmrechten hält Southern einen Anteil von 28,68 Prozent.Zum 15.Dezember soll ein Bewag-Vorstandsmitglied des neuen Großaktionärs Southern bestellt werden.Vier Southern-Vertreter sind bereits in den Bewag-Aufsichtsrat eingezogen.Aus ihrer Reihe wird Burney Rush im Dezember den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen. Dahlberg betonte nochmals, sein Unternehmen sei an einem langfristigen Engagement in Berlin interessiert.Ein schneller Rückfluß der Investition werde nicht angestrebt, Southern gehe es auch um die strategische Bedeutung.Das börsennotierte Unternehmen gilt als einer der größten Energieversorger in den USA.Im Rahmen der Liberalisierung des amerikanischen Strommarkts, die 1992 begann, hat sich Southern vor allem im Stromhandel eine führende Marktposition gesichert.Für 1997 erwartet Dahlberg einen Umsatz von geschätzt 12 Mrd.Dollar (etwa 20,7 Mrd.DM) und einen Gewinn von 1,1 Mrd.Dollar.In den USA werden rund 27 000 Mitarbeiter beschäftigt. Southern versorgt heute bereits Elektrizitätskunden in neun Ländern auf vier Kontinenten.Anfang dieses Jahres brachte Southern die Akquisition von 80 Prozent der Anteile der Consolidated Electric Power Asia (Copa), Honkong, dem größten unabhängigen Stromproduzenten Asiens, für 2,7 Mrd.US-Dollar unter Dach und Fach.Copa baut und betreibt Kraftwerke in China und den Philippinen und baut außerdem an Projekten in Indonesien, Pakistan und Indien.Copas Stromerzeugungskapazität liegt derzeit bei knapp 4000 Megawatt, weitere 3840 Megawatt werden gebaut.Nach Angaben von Marktforschern liegt Southern mit Auslandsinvestitionen von insgesamt knapp 6 Mrd.US-Dollar oder über 15 Prozent ihres Gesamtvermögens weit vor den US-Konkurrenten.Southern ist die Dachgesellschaft von fünf Stromversorgern im Südosten der Vereinigten Staaten.An der New Yorker Börse gehören die Southern-Aktien zu den zwanzig am breitesten gestreuten Werten. Derzeit stärkt Southern das Auslandsgeschäft.Mittelfristig sollen 30 Prozent des Ertrags außerhalb des Heimatmarktes erzielt werden.Zur Zeit sind das zehn bis zwölf Prozent.Vor vier Jahren wurde erstmals ein Büro in Wien eröffnet, mit dem Southern in Europa nach Investitionsgelegenheiten Ausschau hielt.Die Bewag ist dabei nur einer von vielen Schritten und soll dem Auslandsengagement zusätzlichen Aufschwung verleihen.Bei der geplanten Vollprivatisierung der Gasag will die Bewag wie berichtet ein Konsortium mit dem französischen Gaskonzern Gaz de France bilden.Es sei aber bis jetzt noch kein konkretes Angebot abgegeben worden, betonte Bewag-Sprecher Reinhard Heitzmann am Montag.Eine Ausgliederung der Wärme-Aktivitäten der Bewag aus kartellrechtlichen Überlegungen sei derzeit nicht im Gespräch.Auch ein Konsortium von RWE und Ruhrgas hatte bereits Interesse an der Gasag signalisiert.Ein Kaufpreis, der "beträchtlich über einer Mrd.DM liegen würde", sei aber überzogen, sagte Heitzmann.Derzeit hält das Land Berliner 51,2 Prozent der Anteile.Weitere Gesellschafter sind RWE, Ruhrgas und Bewag mit jeweils 11,95 Prozent und Veba mit 12,95 Prozent.

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