Wirtschaft : Die Expo trennt den Müll

HANNOVER / BONN (AFP).Von Euphorie ist zwar noch nicht die Rede.Aber immerhin tauchten gestern positive Schlagzeilen über die erste deutsche Weltausstellung Expo 2000 in Hannover auf.Die Expo-Gesellschaft gab mit der Deutschen Post AG, Bonn, ihren zehnten Weltpartner bekannt - das sind die Hauptsponsoren, die die Expo mit mindestens 30 Mill.DM unterstützen.Am selben Tag teilte die Expo mit, daß die Weltausstellung die erste Großveranstaltung sein werde, bei der Abfälle systematisch getrennt gesammelt und verwertet werden.

Ein entsprechendes Entsorgungsmanagement habe die Duales System Deutschland AG (DSD) entwickelt, sagte DSD-Vorstandsvorsitzender Wolfram Brück in Hannover.Danach soll Abfall weitgehend vermieden, strikt getrennt und wiederverwertet werden.Insgesamt erwartet das Duale System während der fünfmonatigen Weltausstellung bis zu 5000 Tonnen Verpackungsabfall und Restmüll - rund 30 Tonnen pro Tag.Dies sei das Maximum, wenn tatsächlich die erwarteten 40 Millionen Besucher kämen und kaum Mehrwegverpackungen genutzt würden, sagte Robert Mauerer vom DSD.Umweltschützer äußerten sich jedoch skeptisch zu den Angaben und gingen von größeren Abfallbergen aus.

Nach dem Entsorgungskonzept des Dualen Systems sollen Verpackungsabfälle sortenrein erfaßt und wieder verwertet werden.In 1500 Behältern will das DSD Leichtverpackungen und Restmüll sammeln.Außerdem werden an 45 Standorten auf dem Gelände Sammelbehälter für Glas, Papier und Pappe aufgestellt.Auch in Ausstellungshallen, Pavillons und im Gastronomiebereich soll Verpackungsabfall gesammelt werden.Zur Verwertung baut das Duale System in Hannover für 25 Mill.DM eine Sortieranlage neuen Typs, die die bisherige Sortierung per Hand überflüssig machen soll.Nach der Expo soll sie für den Großraum Hannover genutzt werden.

Expo-Chefin Birgit Breuel sagte, der "Traum eines eigenen Kreislaufs von der Produktion bis zum Abfall" werde auf der Expo "ein Stück Wirklichkeit".Dies sei eines der Themen der Weltausstellung und des nächsten Jahrtausends.Mit Blick auf die Verwendung von Mehrwegverpackungen räumte Breuel ein, daß der Einfluß der Veranstalter auf die Teilnehmer, verstärkt Mehrwegverpackungen zu nutzen, "sehr gering" sei.Die Expo könne den Teilnehmern aber keine Vorschriften machen.Derzeit verhandelt die Expo Breuel zufolge mit dem Expo-Partner Coca-Cola darüber, ob der Getränkehersteller Dosen auf der Weltausstellung verkaufen darf.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Niedersachsen bezeichnete die Angaben des Dualen Systems als zu optimistisch.Würden diese Zahlen zugrundegelegt, hinterließe jeder Besucher nur 125 Gramm Abfall, sagte BUND-Sprecher Robert Exner.

"Das entspricht vielleicht einer Bananenschale und einer Getränkedose", sagte Exner.Er verwies auf eine vom Land Niedersachsen 1992 herausgegebene Öko-Bilanz, die von etwa 200 Gramm Abfall pro Besucher und Tag ausgeht - unter der Voraussetzung, daß weitgehend auf Mehrweg gesetzt wird.Wenn die Weltausstellung exemplarische Lösungen zeigen wolle, dann müsse sie auf Abfallvermeidung setzen, sagte Exner.

Derweil gab die Post den Abschluß eines Weltpartner-Vertrags bekannt.Das Staatsunternehmen wird exklusiv den gesamten Brief- und Paketverkehr auf dem Weltausstellungsgelände abwickeln.Die Post ist nach DaimlerChrysler, Deutscher Bahn, Deutscher Telekom, Preussag, Siemens, den Sparkassen, Volkswagen, dem Softwareunternehmen Baan und dem Abfallentsorger DSD das zehnte Unternehmen, das die Expo als Weltpartner gewinnen konnte.Die Weltpartner dürfen zur ersten Weltausstellung in Deutschland mit dem Expo-Logo werben und sich selbst im Themenpark - der Hauptattraktion der am 1.Juni 2000 beginnenden Schau - präsentieren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben