Wirtschaft : Die Faust in der Arbeitgebertasche Gesamtmetall bewertet die

NAME

Berlin (alf). Der diesjährige Metalltarifabschluss wird im Arbeitgeberlager sehr unterschiedlich aufgenommen. Viele hätten dem von der IG Metall erstreikten Abschluss „mit der Faust in der Tasche“ akzeptiert, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser am Montag in Berlin. Auf Grund des neuen Tarifs – zum 1. Juni bekommen die Metallbeschäftigten vier Prozent mehr Geld und ein Jahr später weitere 3,1 Prozent – hätten etwa 100 Firmen den Arbeitgeberverband, der insgesamt etwa 2000 Mitgliedsunternehmen zählt, verlassen. Allein die lange Laufzeit des neuen Tarifvertrags (22 Monate) sowie die Regelungen über einen Entgeltrahmentarifvertrag, mit dem eine gerechtere Entlohnung der Arbeiter im Vergleich zu den Angestellten erreicht werden soll, hätten den Arbeitgebern den Abschluss ermöglicht.

Trotzdem bekennt sich Kannegiesser zum Flächentarifvertrag. Bei rund 50 Prozent der Metallbetriebe, so schätzt der Verbandspräsident, würde ein Haustarifvertrag höher ausfallen als ein Flächentarifvertrag. Der Flächentarifvertrag habe aber nur Zukunft, wenn künftig stärker die Leistungskraft der Betriebe berücksichtigt werde. „Wir müssen Spielregeln finden für die betriebliche Anpassung des Flächentarifs“, sagte Kannegiesser.

Gärungsprozess in der IG Metall

Der Arbeitgeberpräsident nahm auch Stellung zur Zukunftsdiskusssion in der IG Metall, die er als „Gärungsprozess“ bezeichnete. Zwei Punkte seien dabei entscheidend: Wie definiere die IG Metall künftig den Verteilungsspielraum, wie gehabt aus Produktivitätszuwachs und Inflation oder nur orientiert an der Produktivität. Und zum zweiten die Frage der Differenzierung; den Tarifvertrag stellt sich Kannegiesser vor als „ein Rohr im Sturm, dass sich anpasst, aber nicht bricht“. Im Übrigen müssten sich IG Metall und Gesamtmetall viel mehr als Dienstleister gegenüber den eigenen Mitgliedern profilieren. In den kommenden Monaten wird sich nach Einschätzung des Arbeitgeberpräsidenten die tarifpolitische Debatte vor allem um die Arbeitszeit drehen. In Ostdeutschland, wo die Metaller 38 Stunden die Woche arbeiten, strebt die IG Metall einen Stufenplan zur Angleichung an den Westen (35 Stunden) an. „Die Arbeitszeitpolitik hat für uns mindestens so existenzielle Bedeutung wie die Entgeltfrage“, sagte Kannegiesser. Bei der Verteilung der Arbeitszeit seien die Unternehmen bereits „hochflexibel“, nun gehe es darum, „bei der Dauer der Arbeitszeit stärker zu differenzieren“.

Metallrente stockt

Bei der Umsetzung der Riester-Rente räumte Kannegiesser einen schleppenden Verlauf an, 80 Prozent der Betriebe hätten noch Informationsbedarf. Die Metalltarifparteien haben ein eigenes Versorgungswerk gegründet, in dem sich rund vier Millionen Arbeitnehmer privat versichern können. Realistisch seien zwei Millionen Versicherte in fünf Jahren. Kannegiesser deutete an, dass es Probleme mit der Allianz gäbe, mit der die Metalltarifparteien kooperieren. Offenbar versucht der Versicherungskonzern, bei den Metallern Allianz-Produkte zu verkaufen und nicht die Metallrente der Tarifparteien.

0 Kommentare

Neuester Kommentar