Wirtschaft : Die Feten der Superlative

MARGARITA CHIARI

BERLIN .Für die Jahrtausend-Party sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.Einen besonderen Gag haben sich Moskauer Wissenschaftler einfallen lassen: die "Intergalaktische Party", ein gigantisches Feuerwerk im All.Metallfäden und -splitter sollen dazu mit einer Rakete ins All geschossen werden."Durch die Reflexion des Sonnenlichts beginnen sie zu leuchten.Nichts brennt, einfach nur Licht, das auf die Erde reflektiert wird, eine gigantische kosmische Wolke", erklärt Maxim Tarsenko, Weltraum-Spezialist am Moskauer Institut für Physik und Technologie.Sponsoren werden gesucht.Wer will, kann aber auch in Peking am "Ja-Wort des Jahres" teilnehmen, der Massenhochzeit von 2000 Paaren, den Countdown am Arc de Triomphe in Paris erleben, wenn der Platz rund um das Siegestor, in den zwölf Straßen münden, mit Laserstrahlen in die "größte Uhr der Welt" verwandelt wird, oder mit der Concorde von Paris nach New York durch die Zeitzonen jetten - und das Neujahr doppelt begießen.London plant die größte Party der Welt in der Mega-Arena Millenium Park, die extra gebaut werden soll.Da kümmert es wenig, daß das neue Jahrtausend erst ein Jahr später, am 1.1.2001 beginnt.Der Wettlauf um die beste Jahrtausendparty ist längst gestartet.

Nachzulesen ist all dies und mehr im Internet unter "www.Deutschland2000.de", ein Angebot der "Millenium Office", einer Promotion-Agentur für das Jahr 2000.Millenium berät auch Firmen bei der Planung entsprechender Marketing- und Sponsoring-Offensiven und tritt selbst als Veranstalter auf.In den Düsseldorfer Messehallen steigt am 31.12.1999 die "Zeitzonen-Party" von Millenium, eine riesige Multi-Media-Fete mit Video-Schaltungen in alle Welt.Silvester gleich 24 Mal, garniert mit Spezialitäten aus den jeweiligen Regionen und Musikprogramm, "die größte Inhouse-Party Deutschlands", wirbt Millenium-Mitarbeiterin Doris Kühner."Outdoors" dürfte hierzulande das Brandenburger Tor kaum zu schlagen sein.Für voraussichtlich schlappe 200 DM ist die Düsseldorfer Party sogar echt preisgünstig.

Denn anderswo müssen Party-Jäger für ein 2000-Spektakel schon weitaus tiefer in die Tasche greifen.Etwa, wenn sie für 840 000 DM das Südsee-Resort Vatulele, eine der Fidschi-Inseln, für zehn Tage komplett mieten, Speisen und alkoholische Getränke inklusive.Dafür ist in den 18 Bungalows Platz für 36 Personen.Mit 60 000 DM müssen jene rechnen, die fünf Tage in einer Suite im New Yorker Waldorf Astoria plus Silvestergala verbringen wollen - das Angebot ist aber offenbar bereits ausgebucht.Ebenso begehrt sind die Concorde-Flüge, der "Zeitzonen-Sprung" Paris-New York oder die Weltreise ab New York mit Zwischenstops in Sydney, Hongkong und Nairobi sowie Galadiners am Taj Mahal und den Pyramiden für 140 000 DM.Für den Zeitzonen-Sprung etwa haben sich Reiselustige schon vor Jahren vormerken lassen, "die Wartelisten sind lang", heißt es in den Reisebüros.

Dabei geht es mit den Buchungen überhaupt erst 1999 richtig los.Flüge können maximal 365 Tage im voraus gebucht werden, die Kataloge der großen Reiseveranstalter sind noch gar nicht am Markt.Informationen gibt es derzeit nur häppchenweise: So bietet airtours eine Woche "Orient 2000" im Sheraton Doha Hotel am Arabischen Golf mit Sand-Skiing in den Dünen und Hochseefischen am Golf ab Frankfurt für 5998 DM pro Person.Das Skandinavische Reisebüro lockt mit fünf Tagen "Winter pur" in Lappland, fast 300 Kilometer nördlich des Polarkreises, mit Hunde- oder Rentierschlittenfahrten sowie Wanderungen durch die Polarnacht für 2899 DM ab Berlin, Appartment mit Sauna kostet 1000 DM mehr.Im Vergleich zur Fidschi-Insel sind das fast bescheidene Preise.

Die Veranstalter müssen sich aber noch anstrengen, wenn sie die Deutschen massenweise an Bord holen wollen.In einer Umfrage, die das Forsa-Institut im Auftrag von "Millenium" durchführte, bekundeten 24 Prozent der Befragten, sie würden Silvester 1999/2000 zu Hause feiern, 24 Prozent sagten "mit Freunden und Bekannten" und nur drei Prozent planen eine Flugreise.

Eine Berufsgruppe wird auf die Traumreisen ohnedies weitgehend verzichten: die Computerspezialisten.Sie müssen für Noteinsätze bereitstehen, sollten Rechner wegen der Jahrtausendumstellung abstürzen.Von "Urlaubssperre" will Jürgen Mewes, Leiter der Siemens-"Task Force Jahr 2000", zwar nicht explizit reden, "für die meisten wird es aber zumindest ein alkoholfreies Silvester".Einsatzmöglichkeiten gibt es genug.Der Crash droht nicht nur Computern, ausfallen könnten ebensogut Temperaturfühler von Heizungen, elektronische Haustürsperren oder Kraftwerke.Und "richtig spannend", glaubt Mewes, wird es für die Piloten der Concorde - die Vorbereitung der Bordcomputer für den Flug durch mehrere Zeitzonen wird "eine echte Herausforderung für Tüftler".

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