Wirtschaft : Die fetten Jahre sind für die TLG vorbei

Immobilienpreise sinken / Verkauf wird schwieriger
BERLIN (hej).Die euphorischen Jahre sind vorüber.Dieses Resümee zieht Gert Sielaff nach seinen sechs Jahren bei der TLG Treuhand Liegenschaftsgesellschaft, die nach der Wende für die Treuhand das Immobiliengeschäft betrieben hatte und heute noch zahlreiche Gewerbe- und Baugrundstücke sowie Wohnungen in ihrem Bestand hat.Sielaff hatte von 1991 bis 1994 die Außenstelle Berlin der TLG geleitet und 1995 die Leitung der Niederlassung Berlin/Brandenburg übernommen.Zum Monatsende wird er die TLG verlassen.Ob Gerhard Steinle, der sich mit Sielaff die Führung der Niederlassung geteilt hatte, dann einen neuen Partner bekommt, ist noch offen.Immerhin will die TLG in den nächsten drei Jahren alle 12 000 Wohnungen, die sich noch in ihrem Besitz befinden, verkauft haben.Die Verwertung der Gewerbeflächen und der 11 Schlösser, die in Brandenburg noch auf einen Käufer warten, dürfte sich dagegen bis in das nächste Jahrtausend hinziehen, schätzt man bei der TLG, die heute ihre Geschäfte als bundeseigene Immobiliengesellschaft betreibt. "Waschkörbeweise" habe man in den Jahren 1991 bis 1993 Post von Interessenten bekommen, schwärmt Sielaff von den "euphorischen Marktverhältnissen" in den Anfangsjahren.In Berlin seien 600 Liegenschaften an den Mann gebracht worden ­ mit einem Umsatz von 2,8 Mrd.DM.Dagegen habe man von 1995 bis 1997 in Berlin und Brandenburg zwar 4000 Objekte verwerten können, dennoch habe man mit dem "Massegeschäft" nur einen Umsatz von rund 1,4 Mrd.DM erzielt. Für die TLG werden die Geschäfte zusehends schwieriger.So sind die Erlöse beim Verkauf der Wohnungsbestände seit 1991 zusehends gesunken.Mußten die Mieter für ihre unsanierten Wohnungen anfangs noch einen Durchschnittspreis von 60 000 DM zahlen, kommen sie heute mit 40 000 DM hin.Im Laufe dieses Jahres könnte der Preis sogar noch auf 38 000 DM pro Wohnung fallen, vermutet Sielaff.Für Baugrundstücke in guten Lagen gebe es dagegen durchaus noch Bedarf.Dabei gehe der Trend eindeutig "von Berlin nach Brandenburg".Je weiter man sich aber vom Speckgürtel entferne, desto schwieriger werde die Vermarktung.Problematisch ist vielfach auch die Verwertung der restlichen Gewerbeflächen.Zwar würde der Einzelhandel in Städten wie Cottbus oder Frankfurt (Oder) noch Flächen suchen, in strukturschwachen Gebieten ist dagegen "Kreativität" gefragt.Was aus den Grundstücken wird, die sich dennoch nicht absetzen lassen, ist noch offen.Sanierung, Abbruch? Spekulationen, daß die TLG eines Tages keine Einnahmen mehr bringen, sondern den Bund Geld kosten wird, weist Sielaff dennoch weit von sich.Ungeklärt ist aber auch die Zukunft der Schlösser, die die TLG noch nicht hat vermarkten können.Darunter, so Sielaff, befänden sich auch "Abbruchprojekte": "Es gibt nicht viele Interessenten, die in die Prärie ziehen, um in einem Schloß zu sitzen, dessen Sanierung teurer ist als der Neubau".

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