Wirtschaft : Die Fusion des Filialgeschäfts mit der Deutschen Bank ist nur eine Möglichkeit

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Die Gerüchte um ein gemeinsames Unternehmen verdichten sich. Gewerkschaft fordert Klarheit für die Beschäftigtenro

Die Gerüchte über eine teilweise Fusion der Dresdner Bank mit der Deutschen Bank verdichten sich. So berichtet die "Financial Times" am Montag, die Dresdner erwäge eine Zusammenlegung ihres Filialbankgeschäfts mit dem Privatkundengeschäft der Deutschen Bank. Das neue Institut, an dem die beiden Banken je 50 Prozent halten würden, solle unter eigenem Markennamen auftreten. Die Dresdner würde sechs Millionen Kunden und 1400 Filialen einbringen, die Deutsche Bank 6,8 Millionen Kunden und 1600 Filialen.

Die neue Filialbank käme auf 15 Prozent Marktanteil in Deutschland. Unangefochtener Marktführer wären auch weiterhin die Sparkassenorganisationen mit gut 50 Prozent, gefolgt von den genossenschaftlich organisierten Banken mit 25 Prozent.

Dresdner-Bank-Sprecherin Gabriele Eick wollte sich nicht näher über den Stand der Verhandlungen äußern. "Wir haben schon mehrfach erklärt, dass wir unter anderem mit der Deutschen Bank über eine Kooperation sprechen." Das Institut habe eine umfassende Analyse durchgeführt. Beim Privatkundengeschäft gebe es verschiedene Optionen, die derzeit bewertet würden. Eine könnte darin bestehen, das Privatkundengeschäft partnerschaftlich mit anderen Banken zu betreiben. Oberste Priorität habe die Zukunftssicherung "unseres eigenen Privatkundengeschäftes als wichtige geschäftspolitische Säule", sagte Eick. Auch bei der Deutschen Bank wurde erneut betont, dass es sich vorerst nur um Gespräche auf Experten-Ebene handele.

Fakt ist, das die vier großen Geschäftsbanken Deutsche, Dresdner, HypoVereins- und Commerzbank mit den Gewinnen im Filialgeschäft nicht zufrieden sein können. Die Kosten sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen, auch im ersten Halbjahr hat sich der Verwaltungsaufwand wieder deutlich erhöht. Die Deutsche Bank legt auch aus diesen Gründen ihr Filialgeschäft vom 1. September an mit ihrer Direktbank zur Deutsche Bank 24 zusammen und bildet damit eine größere Einheit. Das soll auch die Kosten drücken. Und sie bietet anderen Banken und Sparkassen explizit die Möglichkeit, sich an diese Einheit anzudocken. Das könne den Aufwand für beide Seiten senken.

Auf den ersten Blick könnte das auch für die Dresdner Bank eine attraktive Offerte sein. Doch abgesehen davon, dass sie selbst ihr Filialgeschäft erst einmal in eine eigene Gesellschaft ausgliedern muss, gibt es nach Auffassung von Beobachtern weitere Fragezeichen. Ein Andocken an die Deutsche Bank 24 und damit auch ein Unterordnen unter den Konkurrenten kann es für die Dresdner Bank nicht geben. Sie müsste auch in diesem Fall ihr eigenes Profil behalten, was aber kaum möglich wäre. Zum anderen haben die Banker in der Vergangenheit immer wieder betont, dass das Filialgeschäft eine wichtige Basis für die anderen Geschäftsbereiche der Bank bildet. Kunden bleiben oft ein Leben lang bei einem Kreditinstitut und verschaffen der Bank damit Geschäfte, die weit über die eigentliche Filiale hinausgehen. Zankapfel könnten deshalb vor allem die vermögenden Privatkunden der Dresdner Bank werden. Erheblicher Abstimmungsbedarf besteht auch bei Investment- und Fonds-Produkten.

Dazu gesellt sich ein (sozial-) politisches Problem. Beide Geldhäuser zusammen haben rund 3000 Filialen und Finanz-Zentren, oft in unmittelbarer Nachbarschaft. Und sie beschäftigten mehrere Zehntausend Mitarbeiter. Sinn macht ein Zusammenschluss nur, wenn Geschäftsstellen - und zwar viele - geschlossen werden. Dies wiederum hätte viele, wenn nicht Tausende von Entlassungen zur Folge. Die beiden Großbanken würden einen Aufschrei in politischen Kreisen provozieren, der ihrem Image alles andere als dienlich wäre.

Die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) forderte denn auch Klarheit für die Beschäftigten. HBV-Vorstand Klaus Carlin forderte die Dresdner Bank auf, "endlich Klartext zu reden". Die Beschäftigten hätten ein Recht zu erfahren, was der Vorstand plane. Das Schweigen der Vorstände verunsichere die rund 12 000 Mitarbeiter, die im Privatkundenbereich arbeiteten. Carlin warnte zugleich vor dem "Ausbruch eines neuen Großfusionsfiebers" im Bankgewerbe. Dabei blieben vor allem Arbeitsplätze auf der Strecke, wie die Erfahrung der vergangenen Jahre belege.
© 1999

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