Wirtschaft : Die Gasag will den Neuanfang

BERLIN (dw).Die Gasag kommt von ihrem Schuldenberg nicht runter: In diesem Geschäftsjahr droht ein überplanmäßiger Verlust von insgesamt 70 Mill.DM.In dem ersten Interview nach der Privatisierung des Unternehmens kündigt der neue Gasag-Vorstandssprecher Rudolf Schulten die komplette Neustrukturierung des Unternehmens an.Die Gasag soll in rund 15 selbständige Unternehmensbereiche aufgeteilt werden.Etwa fünf Kernbereiche sollen dabei als GmbH ausgegliedert werden.Schulten, der am 1.Juni die Verantwortung für den kaufmännischen Bereich übernommen hatte, will durch diese Maßnahmen das Ergebnis des Gasversorgers innerhalb von drei Jahren um 150 Mill.DM verbessern.Allein die Kostenseite soll um 100 Mill.DM reduziert werden."Auf die Mitarbeiter", bilanzierte der neue Gasag-Vorstand gegenüber dem Tagesspiegel, "kommen tiefgreifende Veränderungen zu."

Ursprünglich hatte der vor sechs Monaten privatisierte Gasversorger sein Jahresdefizit in diesem Jahr auf 50 Mill.DM halbieren wollen.Auf der Bilanzpresse-Konferenz im Juli hatte man auch schon für 1999 das Erreichen der Gewinnschwelle angekündigt.Daß dieses Ziel nicht nun doch nicht erreicht wird, schreibt Schulten vor allem einmaligen Sondereffekten beim Gaseinkauf zu.Mit der umfassenden Neuorganisation des Unternehmens tritt er nun mit Macht auf die Kostenbremse.Geplant ist, daß ganze Gasag-Bereiche ausgelagert und / oder mit externen Firmen gemeinsam betrieben werden.So könne etwa die Datenverarbeitung mit der des Stromversorgers Bewag zusammengelegt werden.Gemeinsam mit der Bewag will der kaufmännische Vorstand zudem auch bei der Zählerablesung, Abrechnung und der Leitungsverlegung Synergie-Effekte verwirklichen.Auch alle Investitionen kämen auf den Prüfstand "ohne dabei allerdings Abstriche bei der Qualität und der Sichheit unseres Versorgungssystems zu machen."

Auf betriebsbedingte Kündigungen glaubt der Gasag-Vorstand trotz Umstrukturierung verzichten zu können."Die Absprachen mit dem Betriebsrat werden eingehalten", betonte Schulten, der das Verantwortungsbewußtsein der Gewerkschafter ausdrücklich lobte.Dennoch müsse man "ein Gesamtpaket" verhandeln: Im Vergleich zu westdeutschen Versorgern sei der Personalbestand der Gasag um "mindestens 50 Prozent überhöht."

Das Land Berlin hatte im April seine Gasag-Beteiligung an Gaz de France (38,15 Prozent) und Bewag (24,99 Prozent) verkauft.Jeweils 11,95 Prozent liegen bei Ruhrgas und RWE, 12,95 Prozent bei der Veba.

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