Wirtschaft : Die Geduld verloren

Der Bund und der US-Investor Blackstone verlangen vom Management bessere Zahlen – Kai-Uwe Ricke konnte sie nicht liefern

Carsten Brönstrup

Berlin - Am Sonntag ging dann alles sehr schnell. Klaus Zumwinkel, Chef der Deutschen Post und des Telekom-Aufsichtsrates, besprach seinen Plan nacheinander mit allen maßgeblichen Mitgliedern des Kontrollgremiums. Bald stand fest: Für den 45-jährigen Kai-Uwe Ricke gibt es an der Spitze des Konzerns keine Zukunft mehr. Er hatte den Ex-Monopolisten seit 2002 geführt – zuletzt aber mit wenig Fortune. An diesem Montag soll der Aufsichtsrat René Obermann zu Rickes Nachfolger bestimmen. Der 42-Jährige verantwortete bislang erfolgreich die Geschäfte der Handysparte T-Mobile.

Noch am Samstag hatte es widersprüchliche Meldungen über die Top-Personalien gegeben. Insidern zufolge hatte Zumwinkel die Ablösung Rickes nicht von langer Hand geplant und die Sitzungstermine für Sonntag und Montag kurzfristig anberaumt. Ursprünglich war ein Treffen des Aufsichtsrates erst für den 5. Dezember geplant.

Die Großaktionäre – der Bund besitzt insgesamt knapp 32 Prozent, der US-Investor Blackstone 4,5 Prozent – wollten aber eine noch über Wochen andauernde Personaldiskussion vermeiden. „Es wurde nur noch über die Probleme an der Telekom-Spitze gesprochen – und nicht mehr über die Technik oder neue Angebote des Unternehmens. Für das Weihnachtsgeschäft hätte sich das fatal auswirken können“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person dem Tagesspiegel. Der Konzern macht einen nicht unerheblichen Teil seines Jahresgeschäftes in den Wochen vor Weihnachten. Die nun gefundene Lösung sei zwischen allen Beteiligten „einvernehmlich – auch zwischen Ricke und Obermann“. Für ihn habe gesprochen, dass er den Konzern seit Jahren genau kenne und trotz seiner Jugend ein hohes Maß an Durchsetzungsstärke mitbringe – „anders als Ricke“.

Weder die großen Aktionäre noch die Arbeitnehmer trauten Ricke zuletzt zu, die Probleme des 244 000 Beschäftigte zählenden Konzerns wieder in den Griff zu bekommen. „Eine latente Unzufriedenheit bei allen Beteiligten gab es schon länger“, hieß es am Sonntag. Seit Jahresbeginn hatte die Telekom in der Festnetzsparte 1,5 Millionen Kunden an die Konkurrenz verloren. Zwar hatte Ricke noch am vergangenen Donnerstag bei den Kundenzahlen von einer „klar positiven Tendenz“ gesprochen und gesagt, man habe „eindeutig an Stärke gewonnen“. „Es macht wieder richtig Spaß, mit den Wettbewerbern auf Augenhöhe zu konkurrieren“, sgte er. Die Zahlen sprachen allerdings gegen ihn: Der Gewinn im dritten Quartal sank im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um 34 Prozent. Im Inland stagnieren die Umsätze, nur im Ausland wächst das Geschäft des Unternehmens derzeit.

Die Telekom hat es in ihrem Markt mit vielen kleinen und flexibleren Wettbewerbern zu tun, die mit wesentlich geringeren Kosten antreten. Der Verlust von Marktanteilen ist allerdings von der Politik gewollt, damit Wettbewerb in dem einstigen Monopolmarkt überhaupt entstehen kann. Ricke habe keine neuen Ideen gehabt und außerdem zu lange zugesehen, wie die wichtigen Sparten – Festnetz, Mobilfunk, Geschäftskunden – mehr gegen- als miteinander arbeiteten, monieren Fachleute.

Der Manager hatte noch im September versucht, das Blatt zu wenden und eine neue Strategie „Telekom 2010“ vorgelegt. Den Aufsichtsrat habe er damit aber nicht mehr überzeugen können, hieß es nun – auch wegen des seit Jahren dahindümpelnden Aktienkurses. Zudem hatte sich Ricke zuletzt bei den Arbeitnehmern unbeliebt gemacht: Bis 2008 sollen 32 000 Mitarbeiter den Konzern verlassen, außerdem wollte er 45 000 der 80 000 Beschäftigten der Festnetzsparte T-Com in neue Geschäftsbereiche ausgliedern und die Arbeitszeit verlängern.

Rickes Demission schwächt auch die Position von T-Com-Chef Walter Raizner. Er war bereits bei einem Konzernumbau Anfang September teilweise entmachtet worden.

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