Wirtschaft : Die Geldinstitute wollen selbst entscheiden, ob sie sich an möglichen Lösungen des IWF beteiligen

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Die Deutschen Banken wollen bei künftigen Finanzkrisen selbst entscheiden, ob sie sich an möglichen Lösungen beteiligen. Eine Einbindung durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) lehnt vor allem Dresdner Bank-Vorstandssprecher Bernhard Walter strikt ab. "Wir lassen uns vom IWF nicht in ein Konzept pressen", sagte der Banker am Rande der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Washington. Ähnlich argumentierten auch die anderen deutschen Banker.

Es gehe nicht, dass der IWF im Krisenfall hinter verschlossenen Türen über Lösungen befinde und danach den Privatsektor auffordere zu zahlen, sagte Walter. Er wies Vorhaltungen zurück, die privaten Banken würden sich nur deshalb in Schwellenländern engagieren, weil sie darauf vertrauten, dass der IWF im Krisenfall zu Hilfe eile. "Wir überlassen die Reparaturarbeiten keinesfalls dem öffentlichen Sektor", so Walter. In den Krisenländern Korea und Brasilien seien es gerade die Banken gewesen, die mit ihren Umschuldungen eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung der Krise gespielt und damit den Umschwung eingeleitet haben. Die Geldhäusern müsse man, schon deshalb nicht in ein Regelwerk pressen, "weil uns im eigenen Interesse daran gelegen ist, unsere Engagements zu schützen und krisenbedingte Verluste zu minimieren".

Auch Albrecht Schmidt, Vorstandssprecher der HypoVereinsbank, wehrt sich gegen eine feste Einbindung der Geldhäuser in die Krisenbewältigung. Gemeinsam mit Walter plädiert er dafür, dass die Banken schon in die Bemühungen zur Verhinderung von Finanzkrisen einbezogen werden. Dazu gehört vor allem der Einblick in Daten des IWF oder der Aufsichtsbehörden. Transparenz ist für die deutschen Banker ein entscheidendes Stichwort. "In Asien sind wir zu spät informiert worden", klagte Schmidt nun in Washington. Ähnlich die Äußerungen von Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen. "Wenn Aktienkurse fallen und Kredite faul werden, dann zahlen dies die Banken."

Die deutschen Banken stehen mit ihrem Widerstand gegen die Forderungen von Politikern und IWF nicht allein. Auch die Banken aus anderen Industrieländern lehnen eine vorab festgezurrte Einbindung in mögliche Krisenprogramme des IWF ab. Dies sei eine Belastung für die dünnen privaten Kapitalflüsse in die Schwellenländer. Die Banker warnten auch vor einer möglichen Auflage für die Schwellenländer, ihre Anleihen mit Umschuldungsklauseln zu versehen. Dies könne ihre Verpflichtung zur Begleichung ihres Schuldendienst relativieren und private Investoren abschrecken.

Bundesfinanzminister Hans Eichel und Bundesbankpräsident Ernst Welteke ließen sich von diesen deutlichen Worten der Banker in Washington allerdings nicht beeindrucken. Sie forderten Regeln, die die Banken in mögliche Krisenprogramme einbeziehen. "Es kann nicht sein, dass der private Sektor die Geschäfte macht und hinterher die öffentliche Hand für die Probleme einsteht", sagte Eichel. Bundesbankpräsident Welteke plädierte für verbindliche Regeln als Rahmen. Auch die Verantwortlichen des IWF beharren auf einer Einbindung des Privatsektors. "Zum Tango-Tanzen gehören zwei", meinte IWF-Vizedirektor Stanley Fisher in Washington. "Der Privatsektor muss bereit sein, mehr Lasten zu tragen." Es könnte zu größeren Turbulenzen als in Asien, Russland und Lateinamerika kommen, und dann müsse der Privatsektor mithelfen.

Die Diskussion rückte am Montag in eine aktuelles Licht: Ecuador kündigte an, seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber Gläubigern im Ausland zumindest teilweise nicht nachkommen zu können. Präsident Jamil Mahuad teilte mit, seine Regierung werde lediglich die fälligen Zinsen für sogenannte Brady Bonds zahlen, die nicht durch Garantien des US-Finanzministeriums gedeckt sind. Aus Protest gegen die Entscheidung trat der Finanzminister Ecuadors zurück.

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