Wirtschaft : Die Genossen machen in Berlin Druck

MARTINA OHM

Chef der Köpenicker für rasche Fusion mit der Grundkreditbank / Spitzenposition noch offenVON MARTINA OHM

Jetzt hat die Berliner Bankenszene wieder neuen Gesprächsstoff: Nach den jünsten Informationen über den derzeitigen Zustand der Köpenicker Bank und eine baldige Fusion mit den Genossen aus der Budapesterstraße, darf wieder gerätselt werden.Kenner freilich kann die jüngste Nachricht von einem Zusammengehen der Grundkreditbank mit der Köpenicker Bank nicht besonders überraschen.Allenfalls der Umstand, daß die Berliner Volksbank, gemessen an der Bilanzsumme im Bundesverband der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken immerhin die Nummer zwei, nun offenbar erst einmal außen vor bleibt, mag zu Spekulationen Anlaß geben.Von Volker Misgeld, Chef der umtriebigen Volksbank, der zeitweise als durchaus geeigneter Kopf einer fusionierten Berliner Genossenschaftsbank galt, ist jedenfalls - unüberhörbar - keine Rede mehr. So oder so, die Fusion, die nun die Köpenicker retten soll, sie kommt - auch als Mittel der Sanierung - nicht unerwartet.Seit Monaten, ja beinahe schon seit Jahren beschäftigen sich ganze Stäbe in der Stadt mit dem Thema; mal leiser, mal lauter - aber meist unter Ausschluß der Öffentlichkeit.Ungewöhnlich lange ist es dem Krisenstab der Frankfurter DG-Bank, die als genossenschaftliches Spitzeninstitut die ostdeutschen und mithin auch Berliner Institute betreut, dabei gelungen, die Schwierigkeiten in den Berliner Genossenschaftsinstituten unter der Decke zu halten.Der Regie von Bedo Panner übrigens, hauptberuflich Vorstand am Main und zur Zeit als Vorstandssprecher an die Berliner Grundkreditbank ausgeliehen, ist es wohl zu verdanken, daß der Rückzug des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Köpenicker, Jürgen Jenkel, nach über zwanzig Jahren im Amt Ende April 1996 lange Zeit glaubwürdig als Rückzug aus gesundheitlichen Gründen verkauft werden konnte und mit dem Berliner Bernd Goldmann ein weitsichtiger Nachfolger und Fusionsbefürworter aus dem Vorstand nachrücken konnte.Was viele damals noch nicht ahnten, heute aber von engen Mitarbeitern ungeniert bestätigt wird: Jenkel hatte ganz maßgeblich Anteil daran, daß auch die Köpenicker Bank Millionen in den Sand setzte und - zum Überleben - auf Bürgschaften angewiesen war. So glimpflich der Wachwechsel im Hause der Köpenicker Bank noch 1996 über die Bühne ging, so spektakulär verlief die Ablösung an der Spitze der Grundkreditbank allerdings im letzten April.Erst nach dem plötzlichen - unfreiwilligen - Rücktritt des prominenten Chefs der Grundkreditbank, Jürgen Bostelmann, wurde der Berliner Öffentlichkeit schlagartig bewußt, daß auch die Genossenschaftsbanken in der Stadt nicht von Schieflagen - wenngleich vergleichsweise geringfügiger Natur - verschont geblieben sind.Letztlich stolperte auch Bostelmann, seit 1985 im Amt und gleichermaßen als Banker wie als Freund von Kunst und Musik in der Stadt bestens bekannt, über einen unerwartet hohen Wertberichtigungsbedarf im Immobiliengeschäft.Den Prüfungen insbesondere durch den regionalen Genossenschaftsverband Berlin-Hannover hielt seine letzte Bilanz nicht stand: Bürgschaften wurden zwingend erforderlich, Bostelmann war nicht zu halten.Daß ihm trotzdem die Funktion als Fusionsbeauftragter, der eine von den Verbänden in Bonn und Hannover und der DG-Bank empfohlene Zusammenführung der wichtigsten Berliner Genossenschaftsbanken begleiten soll, übertragen wurde, hat seine Gründe: Durch Indiskretionen waren die Probleme der Grundkreditbank im Frühjahr frühzeitig bekannt geworden.Gerüchten, Mißverständnissen und Spekulationen waren Tür und Tor geöffnet, Bostelmann wurde quasi zum Abschuß freigegeben.Das Amt des Fusionsbeauftragten hat den Banker einigermaßen rehabilitiert.

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