Wirtschaft : Die Getreideernte fällt ins Wasser

Schlechtes Wetter vermiest den Bauern die Bilanz

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Abgesoffen. Vor allem der Norden und Brandenburg waren betroffen. Foto: dpa
Abgesoffen. Vor allem der Norden und Brandenburg waren betroffen. Foto: dpaFoto: ZB

Berlin - Von einer „echten Katastrophe“ spricht Klaus Kliem vom Deutschen Bauernverband (DBV). Der Thüringer ist selbst Bauer und weiß daher ganz genau, was hinter der Erntebilanz steckt, die er an diesem Donnerstag in Berlin präsentiert: Nur 39 Millionen Tonnen Getreide haben die Bauern in diesem Jahr geerntet, das sind zwölf Prozent weniger als im Vorjahr. Noch dramatischer war der Rückgang beim Raps, der nicht nur zu Öl verarbeitet wird, sondern auch zu Biosprit. 3,7 Millionen Tonnen und damit 34 Prozent weniger als im Vorjahr konnten die Bauern bislang von ihren Rapsfeldern holen. „Viele Ackerbauern hat es in diesem Jahr extrem hart erwischt“, berichtete Kliem.

Schuld ist das Wetter. Die Probleme begannen schon im vergangenen Herbst. Ausgiebige Regenfälle verzögerten die Aussaat, dann folgte ein langer, kalter Winter. Das Frühjahr war zu trocken, der Sommer zu nass. Allerdings nicht überall. Während in Mecklenburg-Vorpommern die Mähdrescher in den nassen Böden einsanken und auch in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Teilen Brandenburgs das reife Getreide teilweise knietief im Wasser stand, blieben die Landwirte im Südwesten und in der Mitte Deutschlands von diesen Wetterkapriolen weitgehend verschont. Auch wer Mais und Zuckerrüben angebaut hat, kann sich über eine gute Ernte freuen. Gleiches gilt für die Obstbauern.

Dagegen leiden die Gemüsebauern nach wie vor unter den Folgen der Ehec-Krise, berichtete Helmut Born, Generalsekretär des Bauernverbands. Obwohl die Quelle des gefährlichen Darmkeims längst beseitigt ist, meiden viele Verbraucher nach wie vor Gurken, Tomaten und Salat. Die ökonomische Situation der Salatbauern sei „hundsmiserabel“, klagte Born, die Erzeugerpreise lägen hier noch immer um ein Drittel unter dem Vor-Ehec-Niveau.

Dagegen können sich die Getreide- und Rapsbauern über die Preise nicht beklagen. Mit 190 Euro pro Tonne liegt der hochwertige Brotweizen, der zu Mehl verarbeitet wird, auf dem Niveau des Vorjahres, eine Tonne Raps kostet 423 Euro und damit knapp 70 Euro mehr als vor einem Jahr. „Einkommen kann aber nur derjenige erzielen, der etwas zu verkaufen hat“, gibt Kliem zu bedenken. Verbraucher müssen sich darauf einstellen, dass Brot, Milch, Fleisch, Eier und Teigwaren teurer werden, warnt Kliem. Allerdings dürften sich die Preiserhöhungen nur im Rahmen der Inflationsrate bewegen, schätzt der DBV. Das deckt sich mit den Prognosen der Ernährungsindustrie.

Um den Bauern zu helfen, fordert der Verband größere Spielräume bei den Bilanzen. Auch ein Vorziehen der EU-Beihilfen, die eigentlich erst im Dezember ausgezahlt werden, ist im Gespräch. Das Bundesagrarministerium sieht das jedoch kritisch. Außerdem müssten zuvor die Agrarminister der Länder, die für die Auszahlung zuständig sind, mehrheitlich zustimmen. Bisher jedoch lassen die Länder, in denen die Ernten normal ausgefallen sind, die anderen im Regen stehen. Heike Jahberg

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